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In Deutschland werden in diesem Jahr wohl so viele Menschen geimpft werden wie selten zuvor. Doch was ist eigentlich mit denen, die panische Angst vor Spritzen haben und beim Anblick sogar ohnmächtig werden können?

In Deutschland haben bisher etwas mehr als 4,5 Millionen Menschen eine Impfung gegen das Corona-Virus bekommen. Eine große Sache ist das eigentlich nicht: Die Corona-Impfung funktioniert so wie jede andere Impfung auch. Die Spritze wird in den Muskel mit einer bestimmten Tiefe hineingespritzt, damit der Impfstoff richtig platziert ist. Pieks, fertig.

Für mehr als drei Millionen Menschen ist der Anblick einer Spritze oder der Pieks aber ein echtes Problem. Sie leiden unter Spritzenangst. Psychiaterinnen und Psychiater sprechen auch von Blut-Spritzen-Verletzungsphobie oder von Trypanophobie.

Angst bis zur Ohnmacht

Ein mulmiges Gefühl beim Anblick einer Spitze ist bei vielen normal, eine Phobie ist das nicht. "Von Spritzenangst im Sinne einer krankhaften Angst spricht man dann, wenn die Angstreaktion deutlich übertrieben und langanhaltend ist", erklärt Angelika Erhardt, Leiterin der Ambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Eine solche wie von Erhardt geschilderte Spritzenangst führe zu einer Einschränkung im persönlichen Leben führt und Leidensdruck: "Sie müssen eindeutige negative Konsequenzen dieser Ängste haben, damit sie einen krankhaften Charakter hat", sagt die Psychiaterin. Die Angst kann den ganzen Körper aktivieren, körperlich wie auch psychisch. Die Betroffenen haben sehr viele Symptome, bis hin zu Ohnmachtsanfällen.

Angst vor Spritzen ist normal

Grundsätzlich ist die Angst vor bestimmten Gegenständen wie Spritzen oder auch vor Tieren vor allem in der Kindheit ganz normal und kein Grund zur Sorge. Aber bestimmte Voraussetzungen können zu einer krankhaften Angst oder einer Phobie führen.

Genetische Anlagen sind zum Beispiel eine Ursache. Das bedeute aber nicht, dass man eine Phobie von den Eltern erben kann, sagt Erhardt: "Es ist einfach eine genetische Komponente, die für bestimmte Reaktionen verantwortlich ist." Dazu komme die Einwirkungen der Umwelt, vor allem in der Kindheit und Jugend. In diesem Fall also zum Beispiel: schlechte Erfahrungen mit Spritzen.

"Wer sagt 'Ich würde gerne geimpft werden, aber ich schaffe das wegen der Angst nicht', hat gute Chancen, die Angst zu überwinden."
Angelika Erhardt, Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München

Es gibt aber gute Nachrichten: Phobien lassen sich gut verhaltenstherapeutisch behandeln. Im Standardprogramm von Angelika Erhardt am Max-Planck-Institut sind dafür gar nicht so viele Sitzungen nötig. In weniger schweren Fällen sei auch Selbsttherapie möglich, so Erhardt, etwa mit Büchern.

Das Fazit der Psychiaterin: Wer sagt "Ich würde gerne geimpft werden, aber ich schaffe das wegen der Angst nicht", hat gute Chancen, die Angst zu überwinden.