Sie kommentieren unter Facebook-Posts, hauen einen Tweet nach dem anderen raus und lassen sich teilweise sogar auf politische Diskussionen ein. Wie mächtig sind Social Bots im Bundestagswahlkampf? 

Social Bots sind kleine Programme im Netz, die genau das machen, wofür sie programmiert worden sind. Früher oder später merkt man das auch. Darum geht es aber gar nicht primär, sagt Sebastian Sonntag von Deutschlandfunk Nova.

"Bei Social Bots geht es nicht um die perfekte Täuschung, sondern vor allem um Reichweite."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Wenn zehntausende Social Bots eine Message durchs Netz pusten, dann bleibt davon auch was hängen. Dessen sind sich viele Menschen bewusst. 

Die Macht der Social Bots

Wie viele Social-Media-Accounts weltweit werden von Social Bots kontrolliert? Die Schätzungen von Experten sehen das so:

  • 15 Millionen Facebook-Profile
  • 10 Prozent aller Twitter-Accounts (!)

Die Bots werden vor allem eingesetzt, um gute oder schlechte Bewertungen über Unternehmen oder Produkte zu hinterlassen – auf Amazon oder Reiseportalen zum Beispiel. Das zweite große Spielfeld ist inzwischen die Politik. 

  • Parteien: Bei der US-Wahl wurden Social Bots eingesetzt – deutsche Politiker hatten danach gefordert, sie zu verbieten 
  • Interessenverbände, die im Sinne von Parteien handeln
  • Geheimdienste: In der Krim-Krise soll mit Hilfe von Social Bots massiv pro-russische Propaganda im Netz verbreitet worden sein – mutmaßlich aus russischen Geheimdienstkreisen 

Bots bei Merkel oder Schulz?

Nach dem US-Wahlkampf hatten die deutschen Parteien versprochen, keine Bots einzusetzen – aber trotzdem findet man sie im Netz, sagt Sebastian Sonntag. Vor allem bei Twitter und Facebook. Facebook hat im August tausende gefälschter Benutzerkonten gelöscht, auf denen Bots im Einsatz gewesen sind, die Wahlkampf-Propaganda verbreitet hatten.

"Die Bots werden von Interessensverbänden und Unterstützergruppen gesteuert. Die Parteien selbst sagen: Damit haben wir nichts zu tun."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Die Bots sind ziemlich einfach aufgebaut: Sie liken vor allem und verteilen Posts im Netz. Wenn ihr den Verdacht habt, es mit einem Bot zu tun zu haben, solltet ihr auf das Verhalten achten, rät der Informatiker Dr. Johannes Daxenberger von Uni Darmstadt. 

Social Bots entlarven

  • Wenn "jemand" regelmäßig mehr als 50 Nachrichten am Tag auf Twitter postet, dann ist das verdächtig
  • Ihr könnt mal eine Nachricht kopieren und in die Suchmaske eingeben, um zu schauen, ob es identische Tweets anderer User gibt
  • Ihr könnt eine Nachfrage stellen – Bots reagieren deutlich schneller auf Kommentare oder Nachfragen als Menschen 
  • Oder eine Rückfrage stellen, die nicht direkt was mit dem Thema zu tun hat – wenn eine seltsame Standard-Antwort zurückkommt, ist der Fall klar

Außerdem gibt es inzwischen Webseiten, mit denen ihr verdächtige Accounts überprüfen lassen könnt. Auf "BotOrNot", einer Seite der Indiana University Bloomington, könnt ihr einen Twitter-User eingeben und dann werden automatisch verschiedene Kriterien geprüft. Als  Ergebnis spuckt euch die Seite eine Wahrscheinlichkeit aus. 

"So ab 30 Prozent würde ich den User mal vorsichtshalber ignorieren."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova