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Jede zweite Klinik muss kritisch kranke Kinder abweisen. Krankenpflegerin Ulla Hedemann arbeitet auf einer Kinderintensivstation. Die Arbeitsbelastung habe für sie und ihre Kolleg*innen eine Grenze erreicht. Sie können die Kinder nicht so versorgen, wie sie das möchten.

"Wir bekommen jeden Tag Anfragen von anderen Krankenhäusern oder Notärzten, Kinder zu übernehmen", sagt Ulla Heidemann. Die Kinderkrankenpflegerin arbeitet an der Berliner Charité auf der Intensivstation für Kinder. Die Situation sei katastrophal.

Auf der Station versuche man natürlich, weiterhin Kinder aufzunehmen. "Was im Umkehrschluss heißt, dass wir uns – also das Pflegepersonal und das ärztliche Personal – wahnsinnig belasten", sagt Ulla Heidemann.

Kinderstationen: hohe Arbeitslast, wenig Personal

Im Moment sei es so, dass sie auf der Station kaum noch die Arbeit schaffen. Ihre Arbeit so zu leisten, wie Ulla Heidemann und ihre Kolleg*innen sich das vorstellen, sei aktuell nicht möglich. Dafür sei die Arbeitsbelastung einfach zu groß, so die Kinderkrankenpflegerin.

"Wir können nicht mehr so arbeiten, pflegen, betreuen und versorgen, wie wir es machen wollen."
Ulla Hedemann, Kinderkrankenpflegerin, Kinderintensivstation Berliner Charité

Angesichts der schwierigen Lage auf den Kinderstationen schlägt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor, dass Personal aus den Erwachsenenstationen dort aushelfen und unterstützen soll. Dabei geht es insbesondere um Pflegekräfte.

Das sei natürlich eine Hilfe, so Ulla Hedemann. "Aber so einfach, wie Karl Lauterbach sich das vorstellt, ist es nicht." Die Pflege von Erwachsenen und Kindern unterscheide sich.

Wechsel zwischen Erwachsenen- und Kinderpflege nicht einfach möglich

Hinzu kommt, dass Kolleg*innen nicht verpflichtet werden können. Der Wechsel auf eine andere Station erfolgt freiwillig. Außerdem bräuchten die Kolleg*innen eine Einarbeitung und Unterstützung. "Wir können die Leute ja nicht einfach machen lassen, sondern sie müssen eben auch begleitet werden", sagt Ulla Hedemann.

Die Personen, die helfen, fehlen dann natürlich auf den anderen Stationen, wo es ohnehin schon an Personal mangele. "Dort wird die Lücke dann auch wieder größer", sagt die Kinderkrankenpflegerin. "Wir verschieben das Problem im Endeffekt ja nur."

Hilft eine Krankenhausreform?

Der Bundesgesundheitsminister hat nun auch umfassende Reformvorschläge für Krankenhäuser vorgestellt. Es soll wieder mehr um medizinische statt wirtschaftlichen Kriterien gehen.

Grundsätzliche Änderungen könnten langfristig helfen, so Ulla Hedemann. "Aber allein Geld in das System zu geben, bringt mir nichts." Für sie ist klar, dass sich die Bedingungen im Gesundheitswesen verbessern müssen, damit das Personal bleibt.

"Die Rahmenbedingungen müssen sich verändern und dafür braucht es viele Maßnahmen."
Ulla Hedemann, Kinderkrankenpflegerin, Kinderintensivstation Berliner Charité

Auf der Kinderintensivstation steige zurzeit die Zahl der Auszubildenden wieder an. Das sei gut, sagt die Pflegerin. "Aber ich kann die Leute gar nicht richtig ausbilden." Denn durch den Personalmangel und die hohe Arbeitslast, müssten Auszubildende teilweise vor allem mitlaufen.

Für Ulla Hedemann ist klar, dass die Politik über Jahrzehnte hinweg nicht nachgesteuert hat, um die aktuelle Situation zu verhindern.

Der ökonomische Druck in den Kliniken, kein finanzielles Minus zu schreiben, sei mitverantwortlich für die aktuelle Lage. "Aus meiner Sicht hat es die Politik verpasst, dass das System besser wird – und eben nicht ökonomisch geführt", sagt Ulla Hedemann.

Shownotes
Überlastete Kinderkliniken
Kinderkrankenpflegerin: "Realistisch gesehen ist die Situation katastrophal"
vom 06. Dezember 2022
Moderatorin: 
Rahel Klein
Gesprächspartnerin: 
Ulla Hedemann, Kinderkrankenpflegerin, Kinderintensivstation Berliner Charité