Die Lage auf der Krim ist weiter angespannt. Der junge Ukrainer Vassili Golod und die junge Russin Anna Chernomordik schätzen bei DRadio Wissen die aktuelle Situation ein. Droht ein Krieg?

"Ich glaube nicht, dass es zum klassischen Krieg kommen würde. Man steht da Verwandten gegenüber."
Anna Chernomordik
"Die Ukraine ist Russlands Brudervolk - ich glaube aber nicht, dass Russland einen Krieg beginnt. Außerdem würde es kein Krieg werden: Wenn Russland wollte, könnten die das Land einfach nehmen. Die ukrainischen Truppen hätten keine Chance."
Vassili Golod

Vassilis Mutter kommt aus Russland. Seine Oma hat die Auffassung, Russland müsse seine Freunde in der Krim schützen. Putins Beliebtheitswerte in Russland seien gestiegen.

"Mein Onkel lebt auf der Krim und ist eher für die russische Option. Ich bin in Charkiw geboren, da war man eigentlich eher den Russen nah. Mittlerweile ist man aber eher für die Ukraine und eine Annäherung an Europa."
Vassili Golod

Auch die Positionen der russischen Bevölkerung sind alles andere als eindimensional, meint Anna.

"Ich glaube, die russische Bevölkerung möchte zeigen, dass sie keinen Krieg möchte aktiv. Dass sie aber andererseits auch nicht gegen die Intervention Putins ist. Das ist ein zweischneidiges Schwert letztendlich."
Anna Chernomordik

Das Leben in der Ukraine gehe - so weit es möglich ist - normal weiter, berichtet Vassili von den Erzählungen seiner Verwandten und Freunde.

"Die Leute arbeiten normal. Die hoffen auf die Wahlen. Das ist das nächste Ziel. Die Wahlen werden das Land verändern."
Vassili Golod

Anna ist sehr unglücklich mit der aktuellen Situation - unabhängig davon, auf welcher Seite man steht.

"Mir geht das ziemlich nah, weil das ein klassischer Konflikt ist, wo Obrigkeiten über Menschen entscheiden. Aber die Menschen sind nicht im Fokus. Es geht hier um Schicksale."
Anna Chernomordik