Die Deutschen sind einer repräsentativen Umfrage zufolge politisch so interessiert wie lange nicht mehr.

56 Prozent der Befragten gaben zwischen Januar und September 2017 in einer Untersuchung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF an, sie hätten ein starkes oder sehr starkes politisches Interesse. Das ist der höchste Wert seit 20 Jahren. 

Allerdings ist ein Anstieg in Wahljahren häufiger zu beobachten. Der Anstieg zeigt sich in allen Altersgruppen. Kaum oder gar nicht politisch interessiert waren von Januar bis September 2017 demnach zehn Prozent, das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren.

Wahljahr 2017

Die naheliegende Erklärung ist wohl, dass sich Deutschland im Wahljahr befindet, sagt die Politikwissenschaftlerin Svenja Krauss. Darum sei Politik in den Medien oder im Freundeskreis ein großes Thema. Aber auch Donald Trump und der Brexit hätten dafür gesorgt, dass Politik wieder eine größere Rolle im Leben der Menschen spiele. 

Besonders Leute, die sich unverstanden und nicht mehr wahrgenommen fühlten, hätten durch neue Parteien wieder mehr Interesse an diesen Themen, so Krauss.

"Die AfD ist zum ersten Mal im Bundestag. Wir haben in anderen Ländern gesehen, dass es dann politisch ruppiger zugeht. Ob das im Bundestag auch so kommt, muss man abwarten."
Svenja Krauss, Politikwissenschaftlerin

Wenn sich mehr Leute beteiligen und auch diskutieren, sei das zwar gut, so Krauss, aber etwa in den sozialen Medien würden die Menschen sich eher beleidigen, statt zu argumentieren. 

Unklarheiten bei Umfrage

Bei der Umfrage konnten die Befragten zwischen fünf Stufen des Interesses auswählen. Das ist ein Problem, sagt Krauss, denn bei so vielen Antwortmöglichkeiten sei es sehr schwer zu sagen, wo man steht. Und natürlich hätten die Befragten nur eine subjektive Selbsteinschätzung abgegeben. 

Es sei auch unklar, was in der Umfrage eigentlich abgefragt wird. Geht es etwa um Lokalpolitik oder um globale Ereignisse? Außerdem definiere jeder Mensch anders, was überhaupt Politik ist.