Smartwatches und Handys können Leben retten, indem sie bei Unfällen automatisch Hilfe holen. Die Geräte erkennen automatisch, wenn zum Beispiel ältere Menschen einen Unfall haben und stürzen. Der Algorithmus kann aber auch nach hinten losgehen: Die neue Apple Watch und das iPhone 14 lösen offenbar oft einen Fehlalarm aus – in der Achterbahn.

Im September hat Apple sein neuestes Smartphone-Modell um eine automatische PKW-Unfallerkennung ergänzt. Ob Apple Watch oder iPhone 14 – die Geräte schlagen nach einem schweren Aufprall Alarm. Doch die Geräte lösen oft einen Fehlalarm aus, berichtet das Wall Street Journal.

"Das iPhone 14 denkt, es passiert ein Unfall – dabei ist es nur in der Achterbahn."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Fehlalarme gab es in Achterbahnen in den USA. Je nach Design der Achterbahn verwechselt die Software offenbar die Vergnügungsfahrt mit einem schweren Unfall. Allein sechs automatisierte Notrufanrufe im US-Bundesstaat Ohio nennt die Zeitung. Andere US-Bundesstaaten haben ähnliche Probleme. Da die Apple-Geräte erst seit wenigen Tagen im Handel sind, ist es nicht verwunderlich, dass das Thema so plötzlich auftaucht.

Sensoren machen Fehler

Die smarten Geräte sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, darunter Beschleunigungssensoren, Gyroskope, aber auch Barometer, die Luftdruckveränderungen registrieren – was ja zwangsweise der Fall ist, wenn im Auto der Airbag platzt.

"Auch die Mikrofone werden zur Auswertung benutzt. Die Notfallanrufe der iPhones waren offenbar unterlegt mit dem Gekreische der Menschen während der Achterbahnfahrt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das Handy wertet also die Daten der Sensoren aus und entscheidet dann per Algorithmus: Unfall ja oder nein. Auch die Mikrofone werden zur Auswertung benutzt. Das durften die Leitstellen in Ohio und Co. dann auch feststellen: Die Notfallanrufe der iPhones waren nämlich offenbar unterlegt mit dem Gekreische der Menschen während der Achterbahnfahrt.

Zehn Sekunden Bedenkzeit

Wenn sich der Algorithmus von Smartwatch oder Smartphone für "Notfallanruf: ja" entschieden hat, wartet er trotzdem noch zehn Sekunden, bis er automatisch anruft. Auf dem Bildschirm wird dann abgefragt, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Dann kann man den Anruf noch unterbinden.

In einer normalen Situation – etwa einem Sturz, der nicht so schlimm war – würde diese Idee vielleicht funktionieren. Bei einer Achterbahnfahrt aber eben eher nicht. Und so wurden dann eben die Rettungskräfte oder private Notfallkontakte informiert.

Programmierfehler?

Bei einem Autounfall kommt man zwangsweise irgendwann zum Stillstand, die (unfallfreie) Achterbahnfahrt dauert jedoch ein paar Minuten länger. Unser Netzreporter Andres Noll tippt deshalb auf einen simplen Programmierfehler. Vermutlich haben die Entwicklerteams diesen speziellen Fall also einfach vergessen.

"Vermutlich haben die Apple-Entwicklerteams eben an diesen speziellen Fall 'Achterbahn' nicht gedacht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Eigentlich müsste das von den Algorithmen nämlich schon festzustellen sein, ob man nun im Auto oder in der Achterbahn sitzt. Außerdem hat Apple angegeben, für die Entwicklung der Funktion öffentliche Unfalldaten ausgewertet und eine Million Stunden realer Fahrdaten analysiert zu haben.

Apple will nachbessern

Das Unternehmen spricht von einer "extrem akkuraten Erkennung ernsthafter Unfälle". Auch um die Vermeidung falsch positiver Meldungen habe man sich gekümmert. Nach den Berichten will Apple seine Unfallerkennung nun aber nachbessern – und appelliert bis dahin an die Kunden, die Geräte bitte nicht mit in die Achterbahn zu nehmen, was diverse Vergnügungsparks ja ohnehin verlangen.

Oder aber man macht Watch oder Smartphone einfach vor der Fahrt aus oder stellt sie in den Flugmodus. Außerdem lässt sich die automatische Notruffunktion über die Einstellungen auch deaktivieren.

Ob die automatische Unfallerkennung bei PKW-Unfällen zuverlässig funktioniert, lässt sich übrigens noch nicht sagen – dafür fehlt noch eine ausreichende Menge an Erfahrungen, die Funktion ist einfach noch zu neu. Es gibt ein Video von einem Youtuber, der einen Unfall simuliert hat, indem er ein schrottreifes Auto ferngesteuert in einen Schrotthaufen gelenkt hat. In diesem Fall hat das Gerät zuverlässig ausgelöst.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter