Wir kritzeln auf Bierdeckel, Servietten und Kassenbons. Bei Telefonaten und Konferenzen. Wir malen, zeichnen und schmieren Schweinchen, Sterne, Spinnennetze. Warum? Und was sagt das über uns?

Johann Sebastian Bach mochte Schweinchen. Bei Alfred Döblin waren es Spinnennetze und für Erich Kästner mussten es Häuser, Pyramiden und Männer mit Zylinder sein. Unser Moderator Ralph Günther hat in der Schule immer lustige kleine Katzen gekritzelt. Bei den meisten Leuten landen Kritzeleien im Papierkorb. Da gehören sie ja auch hin, könnte man meinen.

Ich kritzel, also bin ich

Es gibt eine Kritzelei-Bewegung in den USA, die nimmt die Zerstreuungszeichnungen ernst. Sehr ernst. Denn, wer doodelt (so heißt das auf englisch), offenbart sein Innerstes. Oder so:

"We, the Doodlers of every nation, in order to form a more perfect world, establish semantic truth, promote whole-minded learning, provide for the struggling knowledge worker and student, enhance educational well-being, and secure the benefits of the Doodle for ourselves and our posterity, do ordain and establish this Manifesto for Doodlers everywhere."
Das Doodle-Manifest vom 14. Februar 2011

Und tatsächlich scheint es so zu sein, dass Kritzeleien die Kreativität unterstützen. Zumindest hat die Erkenntnispsychologin Jackie Andrage das in einer 2009 durchgeführten Studie herausgefunden. Sie untersuchte, ob Kritzeln zwangsläufig Ausdruck von Ablenkung, Unaufmerksamkeit, Langeweile ist. Dafür mussten die Probanden eine monotone Telefonansage hören und sollten sich später an eingestreute Namen in der Ansage erinnern. Die Kritzler unter den Probanden konnten diese Aufgabe weitaus besser lösen als die Nichtkritzler. Also, Stifte raus und rein ins Unterbewusstsein!