Biogurken in Plastik, Tomaten in Plastik, Nudeln in Plastik. Gegen diesen Wahnsinn kämpfen seit ein paar Jahren Unverpackt-Läden. 60 Stück gibt es in Deutschland. Viele finden sie super - aber es bleibt ein Nischengeschäft. 

Ekaterina hat gerade viel Zeit. Die braucht sie auch, um ihre Lebensmittel im Essener Laden "Glücklich unverpackt" einzukaufen. "Es ist schon aufwendig, aber ich bin gerade in der Elternzeit und kann es mir leisten", erzählt sie. Würde sie Vollzeit arbeiten, wäre es schwieriger. Sie müsste Behälter mitschleppen und könnte nicht einfach um 21 Uhr in den Supermarkt um die Ecke gehen. 

Unverpackt-Läden sind eine Nische

Lucie hat mit ihrer Mutter vor knapp einem Jahr den Essener Unverpackt-Laden eröffnet. Beiden war es wichtig, auf Plastik und Müll zu verzichten. "Bei uns kommen die Produkte in 25 Kilo Recyclingpapier-Säcken. Außerdem kommt bei uns auch noch viel in Pfandbehältern an, zum Beispiel unserer Kaffee." Manche Sachen kommen aus hygieneschutzrechtlichen Gründen immer noch in Plastikverpackungen an, daran führt auch in den Unverpackt-Läden kein Weg dran vorbei. 

Unverpackte Lebensmittel
© Sabrina Heinen | Deutschlandfunk Nova
Kein Plastik im Essener Unverpackt-Laden

Auf die ganzen Plastikverpackungen aus dem herkömmlichen Supermarkt zu verzichten, ist also möglich. Inzwischen kommen täglich zwischen 40 und 140 Menschen in ihren Essener Laden, sagen die beiden. Viele Stammkunden, vor allem Studenten und junge Familien. Die einfach bereit sind, Zeit fürs Einkaufen zu investieren, sagt Lucie, die Besitzerin. 

Die allermeisten Menschen kaufen aber weiterhin in den vier Supermarktfilialen, die alleine im 500-Meter-Umkreis zu finden sind, ein. Ist einfach praktischer, finden viele Kunden, die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Heinen gefragt hat, warum sie nicht im Unverpackt-Laden einkaufen. "Für mich wäre es zu umständlich mit Parkplatzsuche. Und mir dann noch zu überlegen, nehme ich irgendwelche Dosen mit", hat eine andere Kundin gesagt. 

"Es ist ja einfach auch schön und simpel, wenn man die Sachen so verpackt hat – einfach aus Bequemlichkeitsgründen. Also meiner Ansicht nach ist es besser, wenn es verpackt ist."
Kundin im Supermarkt

Grundsätzliches Interesse am "Unverpackt"-Einkaufen ist da, zeigt eine Studie des Hamburger Splendid-Instituts. Fast drei von vier Befragten finden das Konzept gut - tatsächlich so eingekauft hat aber nicht mal jeder Zehnte. "Der Hauptgrund ist: Die haben Angst vor mangelnder Hygiene", sagt Jasmin Presser-Velder vom Splendid-Institut. 

Außerdem gibt es noch viel zu wenige Unverpackt-Läden. Guido Zakrzewski von der Essener Industrie- und Handelskammer meint, selbst wenn es noch mehr Läden gäbe, würden aktuell nicht mehr Menschen unverpackte Nudeln kaufen. Es gibt eine bestimmte Zielgruppe für Unverpackt-Läden: Jung, umweltbewusst.

"Es ist sicherlich ein Nischenmarkt. Wenn die Debatte – die gesellschaftliche – aber in der Richtung weitergeht, hat das schon Potenzial. Aber derzeit ist nicht abzusehen, dass sich das zu einem Massenmarkt entwickelt."
Guido Zakrzewski, Essener Industrie- und Handelskammer

Auch Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels findet das Konzept gut, aber die Kunden seien einfach zu bequem. Mit zig Behältern durch die Stadt rennen, wer mache das schon. Das werde erst passieren, wenn sich das Angebot radikal verändert und Kunden mit dem Konzept auch in den großen Supermarktketten konfrontiert werden. Langfristig wird es aber auch im normalen Handel weniger und nachhaltigere Verpackungen geben, glaubt Christian Böttcher. Das hofft auch Lucie Teske vom Essener Unverpackt-Laden. 

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