Ärztin, spricht mehrere Sprachen fließend, mehr als 14 Jahre Ministerin – egal ob man Ursula von der Leyen gut findet oder nicht: Ihre Biografie ist beeindruckend. Und wichtig für ihr Amt als neue Kommissionspräsidentin Europas.

383 Abgeordnete stimmten für sie, 327 gegen sie: Mit einer absoluten Mehrheit wurde Ursula von der Leyen am 16. Juli vom Europäischen Parlament zur Kommissionspräsidentin gewählt.

Paul Vorreiter, Dlf-Korrespondent in Brüssel
"Es war bis zum Schluss nicht klar, ob es mit den Stimmen reicht."

Inhaltlich hat Ursula von der Leyen ein ganz schön breites Profil, sagt unser Hauptstadtstudio-Korrespondent Klaus Remme. Politisch sei sie als CDU-Mitglied einerseits konservativ. Das habe man auch versucht, den konservativen EU-Abgeordneten nahe zu bringen: die Christdemokratische Politikerin mit sieben Kindern.

Aber in der CDU stehe sie für moderne Politik, so Klaus Remme. Als Familienministerin habe sie sich für Dinge eingesetzt, die dem national-konservativen Flügel der Union durchaus fremd gewesen seien – zum Beispiel das Elterngeld-Konzept, das sie vorlegte.

Die heute 60-Jährige ist 1990 in die CDU eingetreten und seit mehr als 14 Jahren in allen Merkel-Kabinetten vertreten: als Familienministerin, als Arbeitsministerin und seit 2013 als Verteidigungsministerin. Sie hat also einige Erfahrung auf Bundesebene gesammelt – vor allem als Verteidigungsministerin.

Ursula von der Leyen als erste Verteidigungsministerin

Als erste Frau bekleidete Ursula von der Leyen dieses Amt, so wie sie nun als erste Frau EU-Kommissionspräsidentin wird. Damals sagte sie, dass sie große Chancen, aber auch große Risiken sehe. Und dass sie noch viel lernen müsse. Sie hat tatsächlich viel lernen müssen, sagt Klaus Remme, denn sie habe beim Amtsantritt keine Ahnung von der Bundeswehr gehabt.

"Sie hat sich durch dieses Amt gearbeitet und versucht, politische Tretminen zu umgehen."
Klaus Remme, Dlf-Hauptstadtstudio

Aber die Lernkurve in den Monaten nach von der Leyens Amtsantritt sei steil gewesen. So habe sie zum Beispiel das Beschaffungswesen modernisiert, habe sich externe Beratung geholt – was ihr im Nachhinein wiederum auf die Füße gefallen sei. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt, weil sie zu viel dieser externen Beratung beauftragt haben soll.

Wie gebacken für europäische Politik

Aufgewachsen ist Ursula von der Leyen in einer sehr politischen Familie, sagt unser Korrespondent: Ihr Vater Ernst Albrecht war Ministerpräsident von Niedersachsen und politischer Beamter in Brüssel. Dort wurde sie geboren und die Familie hat mehrere Jahre in der Stadt gelebt – Französisch und Englisch spricht sie daher fließend. Englisch auch, weil sie während und nach ihrem Medizinstudium in Großbritannien und den USA lebte.

"Wie gebacken für eine Politik, die auf europäischer Ebene spielt."
Klaus Remme, Dlf-Hauptstadtstudio

In den vergangenen Jahren war Ursula von der Leyen zudem in Brüssel immer präsent: Als Verteidigungsministerin war sie regelmäßig vor Ort bei der EU – auch wenn es um die NATO ging. Hier habe sie viele Kontakte und auch ihre Verbindungen zu Frankreich seien gut. Das könne ihr in Zukunft helfen, so Klaus Remme.