Jeden Tag sterben in den USA etwa 130 Menschen an den Folgen einer Opioid-Sucht – sie sind abhängig von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln. Donald Trump hat bei einer Opioid-Konferenz in Atlanta versprochen, sechs Milliarden US-Dollar in die Suchtprävention zu investieren. Um die Opioid-Krise einzudämmen, verspricht Präsident Trump viel – neue Regeln führt er aber nicht ein, sagt Sebastian Schreiber, ARD-Korrespondent in Washington.

Viele Versprechen, keine klaren Regeln

Vor zwei Jahren hat US-Präsident Trump versprochen, das große Problem der Opioid-Abhängigkeit anzugehen und im Anschluss einen "nationalen Notstand" ausgerufen. In einer aktuellen Erklärung spricht das Weiße Haus davon, dass die Zahl der Drogentoten um fünf Prozent zurückgegangen sei, – was sich allerdings noch nicht bestätigen lässt, sagt Sebastian Schreiber.

Die sechs Milliarden US-Dollar möchte Donald Trump vor allem in die Suchtprävention stecken und so Rehabilitierungsprogramme finanzieren. Die Menschen in den USA begrüßen das Vorhaben des Präsidenten und finden es gut, dass er dem Problem der Opioid-Abhängigkeit so viel Raum gibt. Laut Sebastian Schreiber wird es trotzdem einige Zeit dauern, bis die Lage besser wird. Denn die Abhängigkeit von Schmerzmitteln betrifft die gesamten USA: Es zieht sich durch alle sozialen Schichten.

"Das Problem der Opioid-Abhängigkeit ist kein Problem, das es in den Großstädten gibt: Es betrifft vor allem auch ländliche Landstriche. Es betrifft alle gesellschaftlichen Schichten – vor allem auch die Mittelschicht."
Sebastian Schreiber, ARD-Korrespondent in Washington

Das versprochene Geld ist daher eher ein Anfang: Wissenschaftler müssen erst mal nach Schmerzmitteln forschen, die besser wirken und gleichzeitig nicht abhängig machen. Im Anschluss sind die Pharmakonzerne gefragt, sie sollen diese neuen Medikamente entwickeln und auf den Markt bringen. Mit den sechs Milliarden US-Dollar sei das Problem daher noch nicht behoben, meint Sebastian Schreiber.

Hinzu kommt: Süchtige, die nicht mehr an ihr verschriebenes Opioid-Schmerzmittel kommen, fangen häufig an, Heroin oder Fentanyl zu nehmen. Fentanyl ist eine synthetische Droge, die vor allem aus China in die USA kommt und etwa 50 Mal so stark ist wie Heroin. Präsident Trump sagt, er habe das Problem mit dem Fentanyl im Gespräch mit dem chinesischen Präsidenten Xi angesprochen und ihm nahegelegt, die Produktion der Droge stark zu bestrafen.

Finanzielles Interesse vor Menschenleben

Pharmakonzerne haben opioidhaltige Schmerzmittel in den 1990er Jahren besonders stark auf dem Markt beworben. Weil das verschreibungspflichtige Medikament extrem abhängig machen kann, hat sich in den weiteren Jahren eine landesweite Opioid-Sucht bei Patienten entwickelt.

"In der Vergangenheit sind große Fehler gemacht worden – auch seitens der Pharmakonzerne. Sie haben ihre abhängig machenden Schmerzmittel zu aggressiv unter die Leute gebracht."
Sebastian Schreiber, ARD-Korrespondent in Washington

Als einen möglichen Grund für die hohe Verschreibung von Opioiden sieht Sebastian Schreiber ein großes finanzielles Interesse seitens der Pharmaindustrie. Heute sind die Folgen einer Abhängigkeit des Schmerzmittels die häufigste Todesursache bei Amerikanern unter 50 Jahren.