Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsident im November 2016 haben US-Bürger, die ihn komplett ablehnen, ihre Konsequenzen gezogen und sind nach Kanada ausgewandert. Unser Reporter David Donschen hat zwei von ihnen getroffen.

Die 30 Jahre alte Pädagogin Doria und der 29-jährige Zimmermann Andres leben seit Februar in Toronto. In der Wahlnacht fieberten sie noch – zu Hause mit der Familie in einem Vorort in Boston. Dorias Mutter hatte eine Champagnerflasche kalt gestellt, um auf die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten anzustoßen. 

Mehr US-Bürger wandern nach Kanada aus

Dann kam alles anders und Andres hat noch in derselben Nacht Pläne geschmiedet. Für Doria und Andres war klar: In einem Land, in dem Donald Trump Präsident ist, können sie nicht leben. Sie informieren sich über die Auswanderung nach Kanada. Wie viele Menschen tatsächlich wegen US-Präsident Trump ausgewandert sind, lässt sich nicht sagen. Von Januar bis April 2017 haben ungefähr 1600 US-Bürger die kanadische Staatsbürgerschaft beantragt. Das sind rund 600 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Fünf Monate später bereuen Andres und Doria ihren Umzug nicht. Sie haben sich gefragt, wie sie in Zukunft leben wollen und in welcher Umgebung ihre Kinder aufwachsen sollen. Das frisch verheiratete Paar hält das amerikanische Bildungssystem für marode. Mit Trump, sind sie sich sicher, wird sich daran in den nächsten vier Jahren auch nichts ändern. 

Verschlechterung der sozialen Leistungen

Und vor allem ist Andres auf die staatliche Krankenversicherung Obamacare angewiesen, eine private könnte sich der Zimmermann gar nicht leisten. Zwar ist die Gesetzesinitiative von Donald Trump zunächst gescheitert. Er ist aber ein erklärter Gegner der gesetzlichen Krankenversicherung und wird seine Präsidentschaft dazu nutzen, gegen sie vorzugehen.

Nur mit Blick auf seine Freunde, vor allem seine schwarzen Freunde, plagt Andres sein Gewissen, dass er einfach auf und davon ist. Noch immer werden Schwarze in den USA diskriminiert, müssen Angst vor ungerechtfertigten Kontrollen haben. Eigentlich brauchen sie seine Unterstützung im Kampf gegen Rassismus.