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Der Radverkehrsplan von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) habe Potential, sagt die Verkehrsforscherin Kathrin Viergutz. Der Konflikt um die Verkehrsfläche bleibe aber ungelöst.

Für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist der nationale Radverkehrsplan ein großer Wurf. Er hat ihn auf dem Radverkehrskongress in Hamburg vorgestellt.

Was den flächendeckenden Ausbau der normalen Fahrradweginfrastruktur und den Aufbau eines Schnellfahrradwegsystems angeht, teilt Kathrin Viergutz den Optimismus des Ministers. Sie arbeitet als Verkehrsforscherin am Institut für Verkehrssystemtechnik in Braunschweig, das zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gehört.

Mit den entsprechenden finanziellen Mitteln und überdurchschnittlichem, mutigem Engagement für diese Sache sei die Umsetzung realistisch, meint Kathrin Viergutz.

"Wir können das schon schaffen, wenn wir Geld in die Hand nehmen und Pläne mutig umsetzen."
Kathrin Viergutz, Mobilitätsforscherin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Die Mobilitätsforscherin weist allerdings darauf hin, dass der Platz für Verkehrswege grundsätzlich begrenzt ist und sagt: "Die öffentliche Fläche ist nun mal limitiert." Flächen für den motorisierten Individualverkehr müssten gegebenenfalls zurückgebaut werden.

Das Fahrrad als Alternative zum Auto

Gerade während der Coronavirus-Pandemie sei vielen Menschen aufgegangen, dass das Fahrrad ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel ist. Davon ausgehend ließen sie sich möglicherweise eher bewegen, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen.

Dabei hätten unterschiedliche Gruppen von Fahrradnutzenden auch unterschiedliche Interessen: beispielsweise Pendler und Familien. Gemeinsam sei ihnen allerdings ein Bedürfnis nach Sicherheit. Hier könnten Protected Bikelanes, also baulich getrennte Fahrradstreifen, Abhilfe schaffen.

"Es ist immer schade, Verkehrswege zu trennen, aber baulich getrennte Fahrradstreifen haben in puncto Verkehrssicherheit schon Vorteile."
Kathrin Viergutz, Mobilitätsforscherin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Bei neuen Straßen werde leider bislang nicht überall an die dazugehörige Radwegplanung gedacht, auch wenn das seitens des Bundesverkehrsministeriums ausdrücklich gewünscht ist.

"Gerade bei der Planung von Wegen für den motorisierten Individualverkehr kann man den Radverkehr sinnvollerweise gleich mitplanen."
Kathrin Viergutz, Mobilitätsforscherin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Die Verkehrsforscherin sieht auch Unternehmen in der Verantwortung. Mit Umkleiden und Duschen für fahrradfahrende Mitarbeitende und einer Ladeinfrastruktur für E-Bikes könne das Fahrrad auch im Berufsverkehr eine größere Rolle spielen.

Wissenschaftliches Potential

Glücklicherweise ließen sich diese Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs inzwischen auch wissenschaftlich untermauern. Kathrin Viergutz sagt: "Ich sehe großes Potential in den neuen Radverkehrsprofessuren. Es gibt sie bereits an sieben Unis."