Bisher wurde der Vogel des Jahres von einer Jury bestimmt. Zum Jubiläum ist die Abstimmung in diesem Jahr offen für alle. Zurzeit liegt ein Vogel vorne, der polarisiert.

Seit 1971 veranstalten der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) die Kampagne ″Vogel des Jahres″. Normalerweise bestimmt eine Jury, welche Vogelart gewinnt – zum Beispiel, weil sie besonders gefährdet ist.

Für das Jahr 2021, dem 50. Jubiläums-Jahr der Vogel-des-Jahres-Kampagne, haben Nabu und LBV das Prozedere geändert: Dieses Mal können alle Interessierten abstimmen.

"Es ist wichtig, dass wir viele Vögel um uns herum haben. Das erhöht unsere Lebensqualität."
Lars Lachmann, Leiter Vogelschutz Nabu

Laien wählen den Vogel des Jahres? Die Vermutung liegt nahe, dass die Wahl auf eine bekannte, sympathisch wirkende und schöne oder anmutende Vogelart fällt, etwa Eisvogel, Specht, Adler, Amsel oder Meise.

Eine Wahl in Australien zeigt: Das kann auch anders laufen. Dort hat 2019 ein unscheinbarer Fink gewonnen, der durch einen Kohletagebau gefährdet ist. Eine Gruppe von Wählern hat für den Vogel geworben und anscheinend ausreichend viele überzeugt.

Agrarvögeln geht es schlecht

Lars Lachmann, Leiter Vogelschutz beim Nabu, sagt: Auch eher unbekannte Agrarvögel würden viele Stimmen bekommen, die in erster Linie auf oder in der Nähe von Feldern leben. "Denen geht es grundsätzlich sehr schlecht", sagt Lars Lachmann. Denn die Förderpolitik würde die Landwirte nicht zu einer umweltfreundlichen Arbeitsweise motivieren. "Das schlägt sich auch in den Beständen der Agrarvögel nieder."

Die Veranstalter der Vogel-des-Jahres-Kampagne erwarten deshalb eine Wahl, die durch verschiedene Beweggründe motiviert ist – zum Beispiel reine Sympathie für den Vogel, aber auch politisches Denken.

"Wir erwarten, dass der neue Vogel des Jahres eine Mischung wird aus Vogel, den man aus Sympathie wählt oder auch aus politischen Gründen."
Lars Lachmann, Leiter Vogelschutz Nabu

Lars Lachmanns Favorit zurzeit ist der Seggenrohrsänger, der Symbolvogel für den Moorschutz. Er ist der letzte Vogel, der als Brutvogel aus Deutschland verschwunden ist.

Auf der Vogel-des-Jahres-Website ist ein Ranking veröffentlicht, das den aktuellen Stand der Abstimmung zeigt. Zurzeit (12.10.2020) liegen auf Platz zwei und drei: Rotkehlchen, Haussperling. Angeführt wird die Liste von der Stadttaube – ausgerechnet. Wohl wenige andere Vögel werden so häufig vertrieben wie die Stadttaube. Unternehmen haben ganze Produktpaletten entwickelt, um gegen die Tauben vorzugehen, etwa Spikes, Netze und Elektrosysteme.