Virtual Reality – erst total gehyped, dann immer wieder für tot erklärt. Mit "The Under Presents" gibt es jetzt aber ein Spiel, das VR, Gaming und Theater auf eine Weise verbindet, die die Games-Branche revolutionieren könnte, sagt Spiele-Expertin Jana Reinhardt.

Vergesst Handlung. Vergesst Level. Schnappt euch eine VR-Brille und taucht ab in eine Show, an der echte Schauspielerinnen und Schauspieler beteiligt sind. Neugierig hat unsere Gamesexpertin Jana Reinhardt das Virtual-Reality-Spiel "The Under Presents" ausprobiert – und sie wurde nicht enttäuscht.

Dabei fällt es erst einmal gar nicht so leicht, zu erklären, was das überhaupt für ein Spiel ist – ganz anders strukturiert als andere Games, irre komplex. Also von vorne: "The Under Presents" von Tender Claws verbindet Virtual Reality mit Game – und mit Theater. Theater? Ja, richtig gehört! Als Spieler werden wir Teil einer Show, an der richtige Schauspieler beteiligt sind, und zwar live!

Doppelte Handlung in zwei verwobenen Welten

Alles beginnt mit einem merkwürdigen Typen, den wir vor einer Bar treffen. "The Under" heißt die. In der Bar können wir auf der Bühne Musiker beobachten oder mit den anderen Mitspielern herumblödeln. Und dann zeigt und der Typ ein mysteriöses Schiff in einer Flasche. Mittels einer Maske ist dann ein Perspektivwechsel möglich: Maske auf, und wir sind selbst auf dem Schiff – Maske ab, und wir betrachten das Schiff von außen als Miniatur, hängen weiter mit anderen in der Bar ab, schauen uns Perfomances an.

Auf dem Schiff selbst geht es um eine Gruppe Forscher, die gerade zu einer Expedition aufbrechen. Ein unerwarteter Kälteeinbruch legt das Schiff auf Eis. Dann passieren merkwürdige Dinge. Quasi als Geist bewegen wir uns durch das Schiff, lernen die Crew kennen und müssen ihr Verschwinden im Eis oder auch ihren Tod verhindern.

"Die Struktur von 'The Under Presents' ist wirklich ganz ungewöhnlich, weil eigentlich nichts in dem Game einer konsistenten Handlung folgt."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Die Spieler sind aber nicht die einzigen, die zwischen den Welten wechseln können. Manche Figuren vom Schiff tauchen auch in der Bar auf, spendieren uns vielleicht einen Drink. Das sind Schauspieler der New Yorker Schauspielgruppe "Pie Hole", erklärt Jana, die live in die Handlung eingreifen.

Schauspieler per VR live im Game

"The Under Presents" ist für Oculus Quest gemacht, erklärt Jana, eine neue VR-Brille, die seit Herbst vergangenen Jahres auf dem Markt ist. Damit müssen die Schauspieler nicht mehr in einen Motion-Capture-Anzug schlüpfen. Denn die Brille hat kein Kabel mehr – das heißt, sie ist leichter und die Performer können sich darin frei bewegen, sich drehen und tanzen. Sie setzen einfach die Brille auf und haben damit Vier-Stunden-Schichten im Game, in denen sie in Interaktion mit den Playern improvisieren.

"Ich will noch mehr Impro-Theater in VR sehen!"
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Jana ist begeistert von dem Spielerlebnis, sie will mehr davon. In "The Under Presents" gibt es die Schauspieler nach jetzigem Stand übrigens nur noch bis April zu sehen.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag verrät Jana Reinhardt noch mehr über das Spiel. Außerdem sprechen die beiden noch über die VR-Brille Oculus Quest, was sie alles kann, wie sich das Spielen damit anfühlt und wie sie sich auf dem Markt schlägt. Das ganze Gespräch hört ihr bei Klick auf den Play-Button oben!