Großbritannien wählt. Boris Johnson will sich bei der Neuwahl eine Mehrheit im Parlament verschaffen, um den Brexit im Januar endlich durchziehen zu können. Das ist sein Versprechen. Ob seine Partei, die Tories, gewinnen werden, ist unklar. Prognosen sind schwierig, so Friedbert Meurer, unser Korrespondent in London.

Eigentlich wird in Großbritannien traditionell im Mai gewählt. Doch diesmal müssen die Briten und Britinnen am 12. Dezember an die Wahlurnen.

Welchen Einfluss hat das Wetter?

Zuletzt wurde vor 100 Jahren im Dezember gewählt, so Friedbert Meurer, DLF-Korrespondent in London. Für den Wahlausgang ist das Wetter ist nicht unwichtig. In den meisten Teilen Großbritanniens ist es derzeit nass und kalt; außerdem wird es früh dunkel. Deshalb spekulieren manche, dass das Wetter Wähler und Wählerinnen davon abschrecken wird, ihre Stimme abzugeben. Doch in den letzte Umfragen haben einige Briten und Britinnen angegeben, dass sie sich nicht abschrecken lassen, so Friedbert Meurer.

„Es wird eine Wahlbeteiligung von 69 Prozent vorausgesagt“, sagt Friedbert Meurer. Das wäre gleich mit der Beteiligung bei den vergangenen Wahlen im Mai 2017.

Beim Mehrheitswahlrecht können wenige Stimmen entscheiden

Mit ersten Wahlprognosen wird gegen 23 Uhr deutscher Zeit gerechnet, nachdem die Wahllokale geschlossen haben. Wichtig ist, wer wie viele Sitze im Parlament gewonnen hat. Dafür entscheidend sind die Einzelergebnisse aus den Wahlkreisen. Gezählt werden die Wahlzettel in der Nacht in Turnhallen überall in Großbritannien. Ergebnisse werden für die frühen Morgenstunden erwartet.

"Man kann nachts im Fernsehen 500 bis 600 Turnhallen verteilt auf ganz Großbritannien sehen, in denen Stimmen gezählt werden."
Friedbert Meurer, DLF-Korrespondent in London

Wegen des Mehrheitswahlrechts in Großbritannien sind Voraussagen über den Wahlausgang schwierig. Denn im Grunde ist es nicht nur eine Wahl, sondern es sind 650 Wahlen, so Friedbert Meurer. Entscheidend ist, an welchen Kandidaten und damit an welche Partei wie viele Wahlkreise fallen. Beim Mehrheitswahlrecht fallen die Stimmen für die unterlegenen Kandidaten und Kandidatinnen unter den Tisch. Das ist in Deutschland mit dem Verhältniswahlrecht anders.

"Es ist nicht eine Wahl, es sind 650 Wahlen."
Friedbert Meurer, DLF-Korrespondent in London

Durch das Mehrheitswahlrecht können in Großbritannien wenige Stimmen wahlentscheidend sein.

Was die Wahlen auch bringen könnten, ist ein sogenanntes "hung parliament". Das heißt, keine der beiden großen Parteien – weder Labour noch die Tories – holen genug Sitze, um alleine regieren zu können. Solch ein Parlament gab es 2010 und 2017. Doch ob es diesmal dazu kommt, ist eben unklar. Aber man kann darauf wetten: Die Quote liegt bei zwei zu eins.