Eine Forscherin aus Cambridge hilft Menschen mit Angststörungen - indem sie ihnen per Neurofeedback beibringt, ihre Amygdala zu kontrollieren.

Psychische Störungen sind auf dem Vormarsch. In Deutschland entwickeln sie sich zur Volkskrankheit. Annette Brühl erforscht am neurowissenschaftlichen Institut der Uni Cambridge, wie man Menschen mit Depressionen helfen kann. Ihr Spezialgebiet: Die Patienten sollen lernen, ihre Emotionen über Neurofeedback zu kontrollieren. Dazu legt sie Patienten in einem Magnetresonanztomografen (MRT).

Annette Brühl konzentriert sich bei ihren Studien auf Angst oder Trauer. Auch weil Angst die neurobiologisch klarste Störung ist. Und klar ist auch - sie ist in unserem Hirn in der Amygdala angesiedelt. Wenn wir sehr viel Angst haben, liegt oft eine Überfunktion der Amygdala vor. Es kommt aber auch vor, dass die Amygdala ganz normal arbeitet und nur in Angstsituation verstärkt reagiert. Etwa bei Menschen, die extreme Angst vor Spinnen haben. Ihre Amygdala arbeitet ganz normal, solange keine Spinne in Sicht ist.

Von der Situation distanzieren

Beim Neurofeedback soll eine Person lernen, ihre Amygdala zu regulieren, wenn sie stimuliert wird. Dazu bekommen Probanden unangenehme Bilder gezeigt. Rechts und links daneben sind zwei Kästchen zu sehen, die entweder rot oder blau leuchten. Die Patienten müssen versuchen, die Kästchen blau zu halten - ihre Amygdala also zu beruhigen. Eine mögliche Strategie dabei: sich von der Situation distanzieren - sich also klarmachen, dass es sich nur um ein Bild handelt. Eine weitere Möglichkeit: eine beschreibende Haltung einnehmen. Wer zum Beispiel mit einem Autounfall konfrontiert ist, kann verschiedene Rollen einnehmen. Als Betroffener, der vom Ereignis schockiert ist oder als Polizist oder Reporter, der den Unfall sachlich beschreibt.

Eine große Aufgabe bleibt den Forschern aber noch: Sie müssen den Patienten beibringen, wie sie diese Strategien aus dem MRT in ihren Alltag übertragen können. Auch deshalb ist klar - die Methode kann für sich allein keine Psychotherapie ersetzen.