Doğan Akhanlı wurde am Wochenende in Spanien kurzzeitig verhaftet. Der türkische Staat hatte sich dabei der Hilfe von Interpol bedient. Aber wie funktioniert eigentlich Interpol?

Nicht zum ersten Mal hat sich der türkische Staat bei der Verfolgung seiner vermeintlichen Gegner im Ausland der Hilfe von Interpol bedient. Wie jetzt im Fall des deutsch-türkischen Schriftstellers Doğan Akhanlı, wurde Anfang des Monats in Spanien der schwedische Schriftsteller und Regierungskritiker Hamza Yalçın wegen eines türkischen Haftbefehls festgenommen. Beide Male lag via Interpol eine sogenannte 'Red Notice' vor. Das ist ein Vermerk, der die spanischen Beamten veranlasste, gegen die Männer bei der Passkontrolle am Flughafen vorzugehen.

Pinnwand für Steckbriefe

Nikolaos Gazeas, Rechtsanwalt und Experte für internationales Strafrecht, erklärt, dass Interpol keine eigene Behörde mit eigenen Befugnissen ist. Die Organisation dient der Vermittlung von Fahndung.

"Man muss sich das so vorstellen wie eine große Pinnwand, an die jeder der 190 Staaten einen Steckbrief einfach dran heften kann, wenn der eine Person sucht."
Nikolaos Gazeas, Strafrechtler

Aber jedes Land hat seine eigene Rechtsprechung. Aus diesem Grund würde sich Interpol zurückhalten und sagen: 'Wir bieten euch die Plattform, damit die einzelnen Staaten und Behörden miteinander reden', erklärt Gazeas. Die Zusammenarbeit findet immer nach dem jeweils innerstaatlichen Recht statt. Manche Staaten nehmen allerdings schon Menschen fest, nur weil es diese sogenannte 'Red Notice' gibt.

"Wie wir gerade an dem Fall Akhanlı sehen, hat Erdoğan offensichtlich dafür gesorgt, dass Personen auf diese Liste kommen, die da in meinen Augen überhaupt nicht drauf gehören."
Nikolaos Gazeas, Strafrechtler