Der Fokus liegt auf der Corona-Pandemie. Experten und Expertinnen befürchten deshalb, dass weniger Geld in die Aids-Forschung fließen könnte. Außerdem droht ein Engpass bei günstigen Aids-Medikamente. Das sind nur zwei Themen, die bei der 23. Welt-Aids-Konferenz diskutiert werden.

Heute (6. Juli 2020) startet die 23. Welt-Aids-Konferenz. In diesem Jahr wird sie im Zuge der Corona-Pandemie erstmals online stattfinden. Bei einigen Angeboten können sich Interessierte zuschalten.

Das Coronavirus ist zurzeit das alles beherrschende Thema. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die an Aids forschen, befürchten deshalb, dass sich die internationale Aufmerksamkeit ausschließlich auf das Coronavirus richtet und bald Gelder für die Aids-Forschung fehlen könnten, so Antje Passenheim, ARD-Korrespondentin für die USA.

"Aids-Forscher befürchten, dass Corona demnächst so viel Aufmerksamkeit und so viele Forschungsgelder verschlingt, dass die Aids-Forschung hinten dran ist."
Antje Passenheim, ARD-Korrespondentin für USA

Hinzu kommt, dass in Folge der Lockdown-Maßnahmen in Indien und auch China viele Fabriken geschlossen sind, die günstige Aids-Medikamente herstellen. Doch auf diese günstigen Medikamente sind viele Menschen in Afrika und auch Asien angewiesen. Vor allem aus Indien kommen sogenannte Generika, kostengünstige Kopien teurer Markenmedikamente. Jetzt könnten Engpässe entstehen, so Antje Passenheim.

Aus dem Kampf gegen Aids lernen

Eine Konkurrenz der Pandemien ist nicht hilfreich, eher könnte der recht erfolgreiche Kampf gegen Aids ein Vorbild sein: Forscher und Forscherinnen finden, dass man daraus für die Bekämpfung der aktuellen Corona-Pandemie lernen kann. Bei der Welt-Aids-Konferenz sind deshalb zum Beispiel auch die Top-Virologen der US-Corona-Taskforce dabei.

"Die Hoffnung ist, dass die Erkenntnisse aus beiden Pandemien Wissenschaftlern helfen können, die Probleme zu lösen, wenn die Erkenntnisse richtig aufgegriffen werden."
Antje Passenheim, ARD-Korrespondentin für USA

Diese und andere Themen werden bei der Konferenz online besprochen. Bis zum 10. Juli sind rund um die Uhr virtuelle Räume geöffnet, damit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer austauschen und miteinander diskutieren können. Außerdem gibt es über 600 Video-Veranstaltungen wie Diskussionen und Vorträge.

Digital fehlt der persönliche Austausch

Doch was die Online-Konferenz nicht ersetzen kann, ist der persönliche Austausch. Menschen mit Aids erfahren nach wie vor Diskriminierung – auch im Gesundheitsbereich.

Solche Erfahrungen auch persönlich teilen zu können, ist wichtig. Im virtuellen Raum ist das weniger gut möglich.