Gut zwei Stunden lang ging gestern nichts mehr bei Whatsapp. Auch Internetdienstleister wie 1&1, Telekom, Vodafone und O2 meldeten Störungen. Eindeutige Antworten, was deren Ursache war, gibt es allerdings bisher nicht.

Ein größerer Teil der zwei Milliarden Whatsapp-Nutzer*innen war betroffen:

  • Das deutsche Portal allestoerungen.de kommt auf 200.000 Meldungen.
  • In Großbritannien gab es laut der Plattform downdetector.com mehr als 65.000 Beschwerden.
  • In Singapur waren es demnach fast 20.000.

Wie schon beim letzten großen Ausfall war das vermutlich für den einen oder die andere ein Anlass, den Messenger zu wechseln und auf Signal oder Threema umzusteigen. Dort gab es keine Probleme.

"Die Ausfälle waren nicht nur auf WhatsApp begrenzt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Dagegen aber anderswo, berichtet unser Netzreporter. Die Ausfälle waren nicht nur auf WhatsApp begrenzt: Zwischen 9 und 11 Uhr konnte er diverse Webseiten gar nicht oder nur verzögert aufrufen, sagt Andreas Noll. Darunter waren viele Webseiten, die nichts mit dem WhatsApp-Mutterkonzern Meta zu tun haben.

Ab 11 Uhr löste sich der Nachrichtenstau gestern innerhalb weniger Minuten wieder auf. „Wir haben das Problem gelöst und entschuldigen uns für die Umstände", hieß es später von einem Meta-Sprecher. Erwiesene Ursachen für das Problem hat er allerdings nicht genannt.

Ausfälle schon vor einem Jahr

Ziemlich genau vor einem Jahr, im Oktober 2021, hatten alle großen Meta-Dienste (Facebook, WhatsApp und Insta) mit Ausfällen zu kämpfen. Damals waren die DNS-Server von Facebook wegen eines Konfigurationsfehlers nicht mehr erreichbar. DNS (Domain Name System) ist eine Art digitale Telefonauskunft im Internet. Die Server sorgen dafür, dass die IP-Adressen mit den Webseiten verbunden werden. Eine IP-Adresse ist ein Zahlenblock. Wenn dieser nicht mehr mit dem Namen der Domain verbunden ist, ist eine Homepage nicht erreichbar.

"Ein Konfigurationsfehler war das diesmal wohl nicht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ein Konfigurationsfehler wie vor einem Jahr war das diesmal aber wohl nicht, sagt Andreas Noll. Dagegen spricht, dass sehr viele Websites betroffen waren.

Spekulationen um Cyberattacke

Völlig unabhängig von dem jüngsten Ausfall warnen Sicherheitsfachleute schon lange vor Cyberattacken im Umfeld der Midterm-Wahlen am 8. November. Dann werden in den USA das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Wie bei jeder US-Wahl darf man auch hier mit Attacken aus dem Ausland rechnen, so unser Netzreporter.

Aber auch hier gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Routing-Probleme gestern bei WhatsApp und anderen Websites einen solchen Hintergrund hatten. Falls es in den kommenden Tagen zu Internetstörungen kommen sollte, sollte man sich aber auch nicht wundern, das könnte damit zusammenhängen. Könnte.

BSI: Cyberangriffe staatlicher Akteure nehmen zu

Wie es der Zufall will, hat genau gestern das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seinen Lagebericht präsentiert. Dabei ging es nicht nur um die Cyberkriminalität, bei der Kriminelle zum Beispiel mit Phishing-Attacken an unser Geld kommen wollen – sondern auch um Cyberangriffe staatlicher Akteure. Dem BSI zufolge haben diese Angriffe im Umfeld des Ukraine-Krieges zugenommen.

In Deutschland gab es demnach bislang eine Ansammlung kleinerer Vorfälle und Hacker-Kampagnen, aber keinen übergreifenden Angriff. Bei einigen Nato-Partnern sei die Lage dagegen teilweise angespannt: Als Beispiele erwähnt der Bericht Kollateralschäden in Teilen Europas durch den Ausfall der satellitengestützten Kommunikation zur Fernwartung von Windenergieanlagen und einen Cyberangriff auf einen Tankstellenzulieferer.