Judith Enders ist 1976 in der DDR geboren und im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Den Mauerfall hat sie als Kind miterlebt. Wenn es um Ost und West geht, kommen meist ältere Herren zu Wort. Judith Enders wünscht sich, dass die jüngere Generation häufiger eine Stimme hat, wenn es um die DDR geht.

Darum engagiert sie sich ehrenamtlich beim Netzwerk Perspektive hoch 3. Judith stammt selbst aus Altenburg in Thüringen, als die Mauer fiel, war sie 13 Jahre alt. Sie findet es gut, dass es zur Wiedervereinigung gekommen ist. Trotzdem glaubt sie, dass der Prozess der Wiedervereinigung sachter hätte von Statten gehen können. "Es hat viele Umbrüche, Ängste und unverhoffte Erfahrungen gegeben im ostdeutschen Bereich." Heute ist sie vor allem froh, dass sie in einem vereinigten Europa leben kann.

"Ich kann schon sagen, dass ich ostdeutsch geprägt bin. Aber dadurch, dass ich noch so jung war, als die Wende kam, weiß ich, wie die Spielregeln funktionieren im Westen. Das geht den Ostdeutschen, die älter waren, nicht so."

Unterschiede zwischen Ost und West

Was Judith Enders nicht macht: Die Unterschiede zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen leugnen. Sie hat als Ostdeutsche die Erfahrung gemacht, dass sie zum Beispiel oft langsamer auf Fragen antwortet als Westdeutsche. Das habe mit ihrer Sozialisation zu tun, erklärt sie.

"Im Osten hat man aufgrund der Diktaturerfahrung gelernt: 'Überleg dir erst, was du sagst, bevor du losplapperst.' Im Westen redet man erst mal schnell los, damit man als erster was gesagt hat."

Eine Sprache, verschiedene Kulturen

Obwohl Deutschland vereint ist und alle eine gemeinsame Sprache haben, gibt es diese kulturellen und sprachlichen Unterschiede. Sie glaubt, dass diese Kommunikationsunterschiede die Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschen prägen. Da kann es schon mal sein, dass sich Ostdeutschen von Westdeutschen bevormundet fühlen.

Sie wünscht sie, dass Ost- und Westdeutsche einander mit mehr Empathie wahrnehmen und die gegenseitigen Lebensleistungen anerkennen.

"Vielleicht müssten wir ein interkulturelles Training zusammenmachen, dann würde es besser laufen."

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