Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Amerikaner Wildschweine aus Europa in die USA für die Jagd eingeführt. Wegen guter Bedingungen und fehlender natürlicher Feinde konnten sie sich extrem gut vermehren. Inzwischen sind die Wildschweine zur gefährlichen Plage geworden, die Milliarden-Schäden anrichten.

In Deutschland gibt es auch zu viele Wildschweine. Geschätzte 800.000 Exemplare dieser wilden Paarhufer leben in unseren Wäldern. Die milden Winter scheinen ihre Fortpflanzung zu unterstützen. Die Anzahl in Deutschland ist aber nichts im Vergleich zu den USA.

Amerikaner holten Wildschweine ins Land, um sie zu jagen

In mehreren Bundesstaaten breiten sich die Tiere unfassbar schnell aus. Begünstigt wird der Anstieg der Population durch ein gutes Nahrungsangebot und wenig natürliche Feinde, sagt Biologe Mario Ludwig.

"Experten schätzen, dass in 35 amerikanischen Bundesstaaten mittlerweile fünf bis sechs Millionen europäische Wildschweine leben."
Mario Ludwig, Biologe

In den USA sind die Wildschweine zur echten Plage geworden: Bis zu sechs Millionen Wildschweine leben in 35 amerikanischen Bundesstaaten. Eine Plage, die selbstgemacht ist, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden europäische Wildschweine in den USA als jagdbares Wild etabliert. Seither haben sie sich einfach extrem vermehrt und ausgebreitet.

Vor allem nach Norden ziehen die Wildschweine immer schneller, erläutert Mario Ludwig. "In den 1980er Jahren rückten die Tiere noch rund sechs Kilometer pro Jahr nach Norden – inzwischen sind es fast 13 Kilometer." Auch im Norden an der Grenze zu Kanada gibt es schon viele Wildschweine.

Wildschweine verursachen 1,5 Milliarden Dollar Schaden

Nach Meinung von Experten ist davon auszugehen, dass die Tiere in den nächsten 50 oder 60 Jahren nahezu alle Bundesstaaten besiedeln werden. Das Problem ist: Sie richten große Schäden an, so Mario Ludwig.

"Die Wildschweine verwüsten nicht nur auf der Suche nach Nahrung Kartoffeläcker und Maisfelder, sondern greifen auch Jungtiere wie Kälber oder Lämmer an."
Mario Ludwig, Biologe

Neben den Schäden kommt noch hinzu, dass Wildschweine die Schweinepest und andere Krankheiten übertragen, und deshalb auch eine Gefahr für Hausschweine sind. Das Landwirtschaftsministerium in den USA hat ausgerechnet, dass Wildschweine jährlich Schäden in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar anrichten. "Allein die 2,6 Millionen Wildschweine, die im Bundestaat Texas ihr Unwesen treiben, richten Jahr für Jahr einen Schaden von 500 Millionen Dollar an – das sind immerhin rund 200 Dollar pro Schwein", sagt Mario Ludwig.

Wildschweine werden aus der Luft abgeschossen

Um der Plage Herr zu werden, werden die Tiere gejagt. Dazu wählen die Amerikaner verschiedene Methoden. Wildschweine werden klassisch zu Fuß gejagt, aber die meisten Tiere werden aus der Luft erlegt. Es habe sich herausgestellt, so Mario Ludwig, dass die Jagd aus dem Hubschrauber am effektivsten und kostengünstigsten ist.

"Die Hälfte aller in Texas getöteten Wildschweine wurden vom Helikopter aus erlegt."
Mario Ludwig, Biologe

Die Behörden setzen seit Neuestem aber noch auf eine andere Methode. Sie setzen ein sogenanntes Judas-Schwein ein. Also vom biblischen Ursprung her ein Verräterschwein. Dazu wird ein Wildschwein zunächst eingefangen und dann mit einem GPS-Sender ausgestattet und wieder freigelassen. Auf diese Weise führt es die Jäger zur Rotte.