Wer sich nach dem Ende der Bundesliga-Saison kurzfristig mit DFB-Pokal oder Championsleague zu trösten versuchte, für den gibt es jetzt Hoffnung. Ab heute kann man wieder Fußball auf internationalem Niveau sehen: bei der Frauenfußball-WM in Kanada. Wie stehen die Chancen der deutschen Frauen Weltmeisterinnen zu werden?

Im Edmonton steigt heute das erste Spiel: Gastgeber Kanada gegen China. Morgen dann muss die deutsche Mannschaft von Trainerin Silvia Neid gegen die Elfenbeinküste in Ottawa ran. In der kanadischen Hauptstadt allerdings braucht es mit der Fußballbegeisterung noch ein wenig, berichtet Sport-Reporterin Martina Knief aus Ottawa. Von dem ersten Eindruck sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Bei ihrem fünften Mal ist die Fußballweltmeisterschaft der Frauen längst ein Riesenevent. Erstmals starten 24 Teams.

"Es ist nicht mehr und nicht weniger als einfach eine Fußball-Weltmeisterschaft“
Martina Knief, Sportjournalistin

Denn die Kanadier haben Bock auf Frauenfußball. Männerfußball spielt - ähnlich wie in den USA - in Kanada eher eine untergeordnete Rolle. Die Männer bleiben eher beim Eishockey. Die Begeisterung der Kanadier für die Sportart zeigt sich vor allem beim Anfeuern der eigenen Mannschaft, aber auch die anderen Teams werden herzlich willkommen geheißen. Beliebt ist genauso das Team aus Deutschland, das als einer der Top-Favoriten gehandelt wird.

Neben vielen jungen Spielerinnen sind auch bekannte Größen wie Torwartfrau und Doppelweltmeisterin Nadine Angerer dabei. Für sie wird es die letzte WM sein. "Ich verspüre keine Wehmut, der Hunger auf Erfolg ist größer", so die 36-Jährige. Ein Muss ist der Titel - nach dem frühen Ausscheiden vor vier Jahren in Deutschland - nicht. Der Traum der Spielerinnen aber ihn zu holen, ist groß.

Wenn da nur nicht der Kunstrasen wäre

Ihre Gegnerinnen nehmen die Spielerinnen ernst, genau wie die Vorbereitung auf das erste Turnier, das komplett auf Kunstrasen abgehalten wird. Diesen noch ungewöhnlichen (und bisher nicht besonders beliebten) Untergrund hatte das Team zuvor im Trainingslager getestet. "Da kann man sich zwar 10 Tage in der Schweiz auf Kunstrasen vorbereiten, aber wenn man 20 Jahre auf Naturrasen gespielt hat, dann geht das nicht so schnell. Man muss es nehmen, wie es kommt. Alle anderen müssen das auch“, sagt Martina Knief.

Es kann also losgehen. Das erste Spiel des deutschen Teams kann man live verfolgen: Sonntag um 22.00 Uhr (deutsche Zeit) im ZDF.