Manche Youtube-Stars haben eine größere Reichweite als Fernsehsender. Trotzdem prüft vor Veröffentlichung niemand ihre Videos. Manchmal versagt sogar die Kontrolle im Nachhinein.

Beim privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehen produziert ein Autor einen Fernsehbeitrag, ein Redakteur guckt wenigstens einmal drüber und prüft, ob man das so senden kann. Bei Youtube läuft das etwas anders: Youtuber haben in der Regel keinen Redakteur, sie veröffentlichen die Videos einfach so.

Was dann teilweise dazu führt, dass die Youtuber Videos hochladen, die sie besser niemals produziert oder wenigstens für sich behalten hätten. Logan Paul ist ein aktuelles Beispiel, der viel Kritik bekommen hat für ein Video, das er in einem Wald in Japan gedreht hat, der für Suizide bekannt ist. In dem Video macht er sich darüber lustig.

"Es gibt anscheinend selbst bei Super-Profis keine Redaktion, die sich die Veröffentlichung kritisch anschaut. Schwer vorstellbar, dass bei einem klassischen Fernsehsender ein Video wie das von Logan Paul oder der Podcast von Dawson so veröffentlicht worden wäre."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Shane Dawson, ebenfalls ein sehr erfolgreicher Youtuber, muss sich aktuell ebenfalls rechtfertigen, auch, wenn die Inhalte, um die es geht, schon ein paar Jahre alt sind. In einem Podcast macht er Witze über Pädophilie und die "Attraktivität nackter Babys". Ausschnitte auf diesem Podcast wurden in den vergangenen Tagen nun heftig diskutiert. Der Druck ist so groß geworden, dass er ein Entschuldigungsvideo veröffentlicht hat.

Für Logan Paul hat das Video aus dem japanischen Wald schon Konsequenzen: Youtube hat ihn aus dem Anzeigenprogramm Google Preferred ausgeschlossen, bei dem Werbekunden Anzeigen in einem besonderen Umfeld buchen können und bei dem nur sehr erfolgreiche Youtuber mitmachen können. Logan Paul wird jetzt also etwas weniger Werbehonorare generieren - was nicht heißen soll, dass er mit seinem Youtube-Kanal nicht immer noch gut verdient.

Google hat nichts gemacht

Google hat bekannt gegeben, sicherzustellen, dass solche Videos nicht noch einmal veröffentlicht werden. Es soll mehr in Personal, Infrastruktur und künstliche Intelligenz zur Erkennung unpassender Inhalte investiert werden.

Doch eigentlich hätte Google beim Logan-Video die Chance bereits gehabt. Das Video wurde kurz nach der Veröffentlichung gemeldet, und ein Youtube-Moderator gab das Video frei - sogar ohne Altersbeschränkung.