Zoophilie ist die sexuelle Zuneigung zu Tieren. In Eine Stunde Liebe sprechen wir mit einem Zoophilen, was seine Neigung für ihn bedeutet und wie Wissenschaft und Gesellschaft sie beurteilen. Eine Stunde Liebe, jeden Freitag ab 20 Uhr.

Wenn Torben (Name geändert) mit seinem Hund spazieren geht, wirkt er wie ein ganz normales, liebevolles Herrchen. Genau so sieht er sich selbst - auch wenn er eines Tages möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßen sollte. Torben ist zoophil, das heißt, er fühlt sich auch sexuell zu seinem Hund hingezogen.

Torben berichtet:

"Also ich habe mit diesem Rüden keinen Sex bisher, weil er ist einfach noch ein Welpe. Ich werde ihn da auch nicht in besonderer Weise animieren. Es wird dann eher so sein, dass ich das zulasse, wenn er irgendwann Sexualität einfordert. Das wird dann vielleicht so aussehen, dass ich ihn masturbiere, so dass er halt seine Spannung abbauen kann, oder dass ich mich auf Händen und Knien zur Verfügung stelle. Ich käme jetzt nicht auf die Idee, ihm das in besonderer Weise beizubringen. Entweder er möchte das von sich aus oder er möchte das nicht - dann habe ich das zu respektieren."

Seit 2013 ist Zoophilie in Deutschland verboten. Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu 25.000 Euro Ordnungsgeld. In Paragraph 3 im deutschen Tierschutzgesetz steht dazu:

"Es ist verboten, ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen."

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass es sich bei der Zoophilie möglicherweise nicht um eine sexuelle Störung, sondern um eine sexuelle Neigung handelt.

In der Öffentlichkeit werden Zoophile oft beschimpft und haben eine klare Front von Tierschützern gegen sich. Für den Tierschutzverein Peta ist klar, dass Tiere dem Sex nicht zustimmen und es sich deshalb immer um Zwang handelt. Edmund Haferbeck von Peta sagt: "Man muss unterscheiden zwischen dem Kuscheln mit einem Tier, mit einem geliebten Tier - das ist was völlig anderes, als zoophile Akte herbeizuführen. Und alles, was über einen ganz normalen Kuscheleffekt hinausgeht, ist in Deutschland untersagt und ist Tierquälerei."

"Sexualität macht ein Prozent der Beziehung aus"

Für Torben ist Gewaltfreiheit im Umgang mit seinem Hund oberstes Gebot. Er empfindet seine Liebe so, wie andere Menschen Männer oder Frauen lieben und sieht das Verhältnis zu seinem Hund als rücksichtsvolle Partnerschaft.

Torben berichtet:

"Für mich ist es so, dass seit ich jetzt meinen tierischen Partner habe, ich emotional deutlich ausgeglichener bin. Sexualität, das macht halt - wenn überhaupt - ein Prozent der Beziehung aus. Es ist nur: Das was wir jenseits der Sexualität mit unseren Tieren machen ist das, was jeder andere Hundebesitzer auch macht, dementsprechend wird darüber nicht gesprochen. Und diese ein Prozent der Beziehung, darauf wird der Fokus gelegt weil das das ist, was in irgendeiner Form problematisch gesehen wird. Und dementsprechend wirkt dieser Teil immer größer, als er in der Realität wirklich ist."

Genau das ist der entscheidende Unterschied, über den diskutiert wird - auch unter ethischen Gesichtspunkten. Die von uns angefragten Experten wollten sich dazu allerdings nicht allgemeingültig äußern und verwiesen unter anderem darauf, dass es kaum wissenschaftliche Studien zu dem Thema gebe. Gerade die Einvernehmlichkeit sei schwierig zu bewerten, weil die Tiere sich nicht äußern können.

Gewalt bedeutet Stress bedeutet keine Erektion

Der Verhaltensforscher Alexander Epp sagt: Wenn bei Rüden mit Gewalt versucht werde, sexuelle Handlungen an ihnen durchzuführen, löse das beim Hund Stress aus. Das wiederum mache eine Erektion unmöglich. Daraus folgert Alexander Epp, dass Rüden grundsätzlich zu sexuellen Handlungen bereit seien. Er räumt aber ein, dass eine Manipulation durchaus möglich sei, wenn Hundehalter die Tiere mit Futter oder Strafen konditionieren - also zum Sex drillen. Das könne dann als Missbrauch gewertet werden.

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