Über 30 Kilo Süßigkeiten und Snacks isst jeder von uns pro Jahr. Klar, dass das nicht gesund ist. Deswegen sind Zucker-Alternativen wie Stevia auch immer wieder großes Thema. Bei uns auf dem Teller landen sie trotzdem nicht. Wir erklären, woran es bei Stevia scheitert.

Bei der Internationalen Süßwarenmesse in Köln sind Zucker-Ersatzprodukte wie Stevia auch in diesem Jahr wieder Thema. Bei der Markteinführung wurde Stevia als große Nummer gehandelt. Bis jetzt scheint es aber eine Geheimwaffe geblieben zu sein. Stevia ist ein pflanzliches Produkt. Seit dem November 2011 darf es in der EU verwendet werden.

Bei der Einführung hat der Stevia-Zucker riesige Erwartungen geweckt, weil

  • er relativ wenige Kalorien hat,
  • nicht so schädlich für die Zähne ist,
  • der Insulinspiegel ziemlich konstant bleibt,
  • die Süßkraft 300-mal stärker ist, als die von Zucker.

Aber dem Durchbruch von Stevia steht eine andere Eigenschaft im Weg: Es hat einen Eigengeschmack, der sich nicht für alle Produkte eignet.

"In der Praxis zeigt sich, wie schwierig Stevia zu verarbeiten ist. Denn es schmeckt nach Lakritze. In Fruchtbonbons geht es nicht, in Schokolade und Backwaren ist es genauso schwierig."
Hans Strohmaier, Süßwarenverband Sweets Global Network

Gut funktioniert Stevia in Kräuterbonbons, Limonade, Cola - also in Produkten, die viele Aromen enthalten, die den Stevia-Geschmack überdecken. Trotzdem wird es im Vergleich zum klassischen Zucker kaum in Produkten genutzt.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat es genau ausgerechnet. Im vergangenen Jahr wurden weltweit etwas mehr als 175 Millionen Tonnen Zucker verbraucht, bei Stevia war es nur eine Million Tonnen. Der Vergleich hinkt, weil Stevia mehr Süßkraft hat als Zucker. Aber die Tendenz ist deutlich.

Zu teuer für Fertigprodukte

Die meisten Süßigkeiten, die wir kaufen, sind Fertigprodukte. Da steckt normaler Zucker drin, weil der keinen Eigengeschmack wie Stevia hat und vor allem auch viel billiger ist: Ein Kilo Zucker kostet teilweise unter 70 Cent. Die Industrie hat also nicht die Notwendigkeit, etwas zu ändern. Nur wenn ihr selber backt, euren Joghurt süßt, oder ein Müsli mischt, könnt ihr euch entscheiden und Stevia drunter mischen.

"Für den eigenen Gebrauch gibt es einige andere Alternativen zum Zucker: Mit Agavendicksaft könnt ihr Getränke und Marmelade süßen, mit Honig Desserts oder Kuchen verfeinern, oder zum Ahornsirup greifen."
Martin Schütz, DRadio Wissen

Ahornsirup ist außerdem gesünder: Er hat mehr Nährstoffe als Honig, ist aber auch eine ziemlich teure Alternative zum herkömmlichen Zucker. Wer mit Ahornsirup süßt, anstatt mit normalem Zucker, zahlt ungefähr das 15-fache. Für die Industrie ist das völlig uninteressant.