Archäologie

Buchhaltung mit Token war länger Trend als gedacht

Das ist ein bisschen so, als hätte man ein Handy und würde trotzdem noch zur Telefonzelle gehen.

Archäologen der Universität Cambridge haben bei Ausgrabungen in der Türkei in der neuassyrischen Provinzhauptstadt Tuschan 300 Token gefunden. Token sind kleine Symbolsteine, die das Zählen erleichtern sollten. Vor der Erfindung der Schrift konnte man zum Beispiel in Mesopotamien mit Hilfe der Zählsteine Handelswaren besser verwalten. Eigentlich nahmen Archäologen an, dass mit Erfindung der Schrift, die Zählsteine überflüssig wurden. Die Keilschrift wurde etwa 3.300 Jahre vor Christus erfunden. Die jetzt gefundenen Token sind aber viel jünger: Die Stadt Tuschan im Südosten der Türkei hatte ihre Blütezeit vom neunten bis zum sechsten Jahrhundert vor Christus. Die Archäologen vermuten folgendes: Bauern brachten die Token mit, die ihre Ware, zum Beispiel eine bestimmte Menge Getreide, repräsentierten. Während des Verkaufs konnte die Menge der Ware so weitergereicht werden und erst beim Abschluss wurde das dann auf schriftlich auf einer Tontafel notiert. Token und Schrift existierten also lange Zeit parallel und die Zählsteine kamen nicht so schnell aus der Mode wie ursprünglich angenommen.