Im Süden Brasiliens kann es passieren, dass jemand sein "Hinkel" "leppsch" nennt oder "meggalisch".

Er meint dann sein Huhn, das entweder fad schmeckt oder wunderbar. "Hunsrückisch" heißt der deutsche Dialekt, den in Brasilien 400.000 bis 1,3 Millionen Menschen sprechen. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht aktuell, welche Rolle er im Alltag noch spielt und wie er entstanden ist. Nach Angaben der Forschenden kamen ab Anfang des 19. Jahrhunderts besonders viele Deutsche aus der Region Hunsrück nach Südbrasilien. Ein Grund war, dass es damals mehrere Missernten im Südwesten Deutschlands gab und viele Menschen bereit waren, auszuwandern. Außerdem warb Brasilien in dieser Zeit stark um ausländische Arbeitskräfte. "Hunsrückisch" entstand den Forschenden zufolge dadurch, dass Menschen aus dem Hunsrück mit anderen deutschsprachigen Gruppen - etwa aus Böhmen oder Westfalen - eine gemeinsame Kommunikationsbasis finden mussten. Hochdeutsch wurde damals kaum gesprochen.

Die Menschen aus der Region Hunsrück hatten den größten Einfluss auf den neuen Dialekt, weil sie als erste nach Brasilien kamen und sie auch zahlenmäßig die stärkste Fraktion waren.