Wie nachhaltig wird weltweit gefischt? Offenbar viel weniger nachhaltig als bisher angenommen - und das liegt auch an Schätzfehlern.
Das ist das Ergebnis einer neuen Studie im Fachmagazin Science. Dort schreibt ein australisch-kanadisches Forschungsteam, dass bisher in Modellierungen viel zu optimistisch geschätzt wurde - und zwar sowohl, wie groß ein Fischbestand vor der Befischung war, als auch wie viel maximal gefischt werden sollte und wie sich der Fischbestand später wieder erholt. Das ist laut den Forschenden vor allem problematisch, weil solche Fischerei-Modelle ja als Grundlage dienen, wenn Fangmengen festgelegt werden, um die globale und regionale Fischerei zu regulieren. Sie sagen, dass weltweit mehr Fischbestände überfischt sind als bisher angenommen und empfohlene Fangquoten häufig zu hoch liegen für eine nachhaltige Fischerei.
Die Forschenden kommen zu ihren Ergebnissen, nachdem sie bei 230 der weltweit größten Fischgründe öffentlich zugängliche Daten verglichen haben mit Werten aus Modellberechnungen.
Laut Studie ist fast ein Drittel der Bestände, die von der Welternährungsorganisation FAO als "maximal nachhaltig befischt" eingestuft wird, in Wirklichkeit überfischt. Als nachhaltig gilt Fischerei, wenn nicht mehr Fisch entnommen wird als nachwächst. In der Studie heißt es weiter, dass 85 Prozent mehr Fischbestände als bisher geschätzt kollabiert sind - das heißt, sie sind geschrumpt auf unter 10 Prozent ihres historischen Maximums.
Bisher galt als Hauptursache für Überfischung, dass die Fischereipolitik Fangmengen höher festgelegt hat als auf Basis der wissenschaftlichen Modelle empfohlen wurde. Laut den Forschenden hat die Fischereiwissenschaft allerdings die Politik jahrelang falsch beraten und trägt damit zumindest einen Teil der Verantwortung für die überfischten und zusammengebrochenen Bestände. Das liege unter anderem auch daran, dass die Schätzmodelle unnötig komplex seien, mit zu vielen Variablen, die eine gute Abschätzung erschwerten.
Was die neue Studie für die Fischerei bedeutet, bewerten zwei an der Studie unbeteiligte Forscher in einem Kommentar.