Schätzungen zufolge sind fast zwölf Prozent der Männer weltweit unfruchtbar.

Forscher der Harvard Medical School haben jetzt eine Methode vorgestellt, wie Mann ganz einfach sein Sperma testen kann – und zwar per Smartphone.

Das Smartphone wird dazu auf einen kleinen Plastikkasten aufgesteckt. Dann wird eine Spermaprobe zwischen zwei kleine Plastikplättchen gesogen und diese Plastikplättchen werden in den Kasten unter das Smartphone geschoben. Per Smartphone-Kamera sieht man dann über eine App, wie viele Spermien in der Probe unterwegs sind und wie schnell sie sich bewegen.

Die Harvard-Forscher sagen, dass ihr System mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit erkennen kann, wenn das Sperma nicht so fit war, wie es sein müsste, um fruchtbar zu sein.

Laut der Forscher ist ihre "Sperm-a-Phone"-Lösung dabei auch noch äußerst günstig: Die Bauteile können im 3D-Druck hergestellt werden, die Materialkosten liegen bei etwa vier Euro. Das komplette Kit, das mehrfach verwendbar ist, soll etwa 50 Euro kosten. Noch gibt es nur den Prototyp, aber in den USA soll die Zulassung beantragt werden.

Der Vorteil: Es bleibt privat

Ein Selbsttest würde vielleicht auch Männer ansprechen, die sich nicht trauen, ihre Spermien von Ärzten untersuchen zu lassen.

Ann-Kathrin Horn, DRadio Wissen Nachrichtenredaktion
​"So ein Test mit dem Smartphone ist natürlich viel privater, als extra in eine Fruchtbarkeitsklinik zu gehen."

Der Selbsttest wäre auch praktisch für Männer, die sich haben sterilisieren lassen. Die müssen nämlich nach der OP regelmäßig ihr Sperma überprüfen lassen und das könnten sie dann auch von zu Hause aus machen.

Umkämpfter Markt

Es gibt schon mehrere Testgeräte, mit denen man das Sperma zu Hause selbst untersuchen kann, allerdings untersuchen die bisher noch nicht Anzahl und Beweglichkeit der Spermien zusammen  oder sind nicht so zuverlässig. Eine Methode ist allerdings vor kurzem auf den Markt gekommen und die funktioniert genauso wie das Modell der Harvard-Forscher - also auch mit dem Smartphone. Yo Sperm Test heißt das. Allerdings ist die Studie dazu nicht so transparent wie die der Harvard-Forscher.

Die Kritik

Eine Forscherin aus Dänemark hat dem Scientific American gesagt: Von allen Selbsttests, die es schon gebe, sei diese Methode die zuverlässigste und auch sehr umfassend. Eine Reproduktionsmedizinerin der Uni Münster hat ein paar Kritikpunkte. Sie hat Spiegel Online gesagt, dass die Proben nicht immer aussagekräftig sind. Wenn man gerade erst Sex hatte, dann ist die Spermienkonzentration danach geringer. Wenn man länger keinen Sex hatte, dann sind die Spermien langsamer. Auch eine Grippe kann sich auswirken. Also müsste man den Test auf jeden Fall mehrfach machen und dürfte sich nicht auf ein Ergebnis verlassen. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin hat der Nachrichtenagentur DPA gesagt: Solche Tests, die man zu Hause macht, die könnten als Orientierung dienen, aber man sollte auch auf jeden Fall noch zum Arzt gehen, der das Ganze dann nochmal genauer untersucht und dann auch bespricht, woran es liegen könnte, dass das Sperma nicht so fit ist. Trotzdem ist der Selbsttest natürlich praktisch und ein Fortschritt.