Einfach mal faul sein und nichts tun.

Die Historikerin Yonne Robel hat untersucht, warum das vielen Menschen in Deutschland so schwerfällt. Sie hat Quellen von den 1950er Jahren bis heute untersucht - zum Beispiel Medienberichte, Ratgeber oder Filme -, um herauszufinden, wie Menschen das Nichtstun bewertet haben.

Im Interview mit der Zeitschrift "Psychologie Heute" sagt Robel, dass es in den 1960ern und 70ern einen Wendepunkt gab. Da taucht zum ersten Mal der Begriff "Freizeitstress" auf. Begriffe wie "schöpferische Faulheit" oder "produktiver Müßiggang" verschwanden. Stattdessen ist die Rede von "Kreativität". Die Historikerin wertet das als Zeichen, dass es ein wichtiger Anspruch oder Wert wurde, immer produktiv zu sein.

Faul sein war negativ belegt, aber trotzdem mit einer Sehnsucht danach verbunden. Diese Sehnsucht wurde laut Robel ins Ausland verlagert. Die Fähigkeit, nichts zu tun, wurde Menschen in Italien und Griechenland zugeschrieben. In Deutschland habe man sich so in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs selbst versichert, dass man mit der typisch deutschen Eigenschaft "Fleiß" alles richtig mache, sagt die Historikerin. Erst heute werde das Nichtstun wieder verstärkt als Vorsorgemaßnahme für die eigene Gesundheit betrachtet.