Wasser predigen und Wein trinken - der Spruch ist alt, aber nicht veraltet.

Es gibt sie immer und überall: Menschen, die andere verurteilen, mit sich selbst aber nicht so streng sind. Ein Wissenschaftsteam aus China hat jetzt in einem Experiment gezeigt, dass es für Doppelmoral eine neuronale Basis in unserem Gehirn gibt. Darüber berichten sie im Fachmagazin Cell Reports.

Dafür haben sie Probanden Aufgaben gestellt, bei denen sie Geld verdienen konnten - wer gelogen hat, bekam mehr. Danach mussten sie ihr eigenes Handeln und das anderer Probanden bewerten. Dabei wurde ihre Hirnaktivität gemessen, vor allem der vordere Teil des Gehirns, in dem Emotionen und Entscheidungsfindung gesteuert werden. Es zeigte sich, dass dieser Bereich bei Probanden, die sich selbst nachsichtiger bewerteten, weniger aktiv und auch weniger gut vernetzt war.

Den Forschenden zufolge zeigt das, dass das Gehirn bei Menschen mit Doppelmoral in bestimmten Situationen die Infos nicht so gut verknüpft. Die Forschenden gehen aber auch davon aus, dass diese Menschen nicht per se unmoralischer sind, sondern dass moralisches Handeln durchaus trainiert werden kann.