So wie es im menschlichen Gehirn Menschen spezielle Regionen für Sprache gibt, haben Singvögel spezielle Gehirnregionen für den Gesang.

Die hat sich eine Forschungsgruppe vom Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz bei Kanarienvögeln genauer angeschaut. Die Weibchen singen normalerweise im Gegensatz zu den Männchen nicht - haben aber eine genauso ausgestattete Hirnregion. Das Team hatte bei Männchen beobachtet, dass Testosteron in ihrem Blut während der Brutzeit stark ansteigt. Dann singen die Männchen kunstvolle Lieder. Bei Hirnscans stellten die Forschenden fest, dass eine fürs Trällern wichtige Hirnregion bei singenden Kanarienvögeln viel größer aussieht als bei nicht-singenden. Daraufhin testete das Team, ob es auch die Weibchen zum Singen bringen kann, wenn sie Testosteron bekommen.

Und: Das klappte tatsächlich. Allerdings führte das Hormon nicht dazu, dass die Gehirnzellen sich vermehrten, sie wurden nur viel aktiver und so besser auf den Scans zu sehen. Einer der Forscher meint: Die Ergebnisse zeigen, dass das Gehirn Strukturen nicht neu aufbauen muss, wenn sie nicht genutzt werden. Das Verständnis darüber, wie Hormone Veränderungen in Gehirnzellen auslösen, könnte zum Beispiel auch bei der Forschung dazu helfen, wie alternde Gehirne ihre Anpassungsfähigkeit erhalten.