Nationalhymnen sind nicht nur patriotische Zeremonialmusik: Sie transportieren Emotionen – und die unterscheiden sich je nach Region und Gesellschaft.

Ein finnisches Forschungsteam hat 176 Hymnen analysiert - nur die Musik, ohne Text. Die Ergebnisse stehen in den Scientific Reports: Länder in Äquatornähe haben tendenziell dynamischere, energiegeladenere Hymnen, nördliche Länder spielen eher getragener und auch traurigere Hymnen und im Süden überwiegt fröhliche Stimmung.

Unterschiede gibt es auch je nach Kontinent: Hymnen aus Nord- und Südamerika klingen angespannter, ängstlicher und negativer, während ozeanische Hymnen besonders viel Freude ausdrücken. Ost-West-Muster zeigen sich bei Angst und Wut: In Ländern weiter westlich überwiegt die Spannung, weiter nach Osten eine positive Grundstimmung. Auch die gesellschaftliche Struktur beeinflusst die Musik: Hierarchische und auch kollektivistische Länder haben energische, kraftvolle Hymnen, individualistische Gesellschaften mit flachen Hierarchien eher sanfte und ruhige.

Deutsche Hymne typisch untypisch

Die traurigste Hymne fanden die Forschenden in Japan, die fröhlichsten in Westsahara und China. Die deutsche Nationalhymne fällt in keiner Kategorie besonders auf: Einerseits ist sie eher getragen, andererseits hat sie aber eine positive Grundstimmung.