Aber die Philosophin Imke von Maur sieht das anders. Sie sagt in einem Interview mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Mitgefühl ist wichtig für Erkenntnis und Urteilsbildung. Die Annahme, dass es in der Politik einen rein distanzierten, vermeintlich objektiven Zugang gebe, sei verheerend.
Ihrer Ansicht nach müssen wir zum Beispiel Kriege in der Welt auch emotional verstehen. Denn zum Krieg gehört das menschliche Leid dazu, und das wahrzunehmen erfordert laut von Maur affektive Involviertheit. Gefühle sieht sie nicht als Störfaktoren des Denkens, sondern als Ausdruck eines angemessenen Verstehens.
Dabei dürften Emotionen aber nicht politisch instrumentalisiert und als Machtmittel eingesetzt werden. Denn so entstehen Feindbilder, Zugehörigkeiten und Loyalitäten, die dann als nüchterne Wirklichkeit ausgegeben würden.
Von Maur ist Philosophie-Professorin an der KU. Dort findet nächste Woche eine Konferenz zur Philosophie der Emotionen statt.
