Beleidigungen sind Kultursache
Beleidigt werden ist nie schön - aber je nach kulturellem Hintergrund reagieren Menschen da unterschiedlich empfindlich.
Das hat ein Psychologe der Uni Leiden genauer untersucht. Er sagt, dass zum Beispiel die Spannungen zwischen Türkei und EU zum großen Teil durch kulturelle Unterschiede entstanden sind. Er zählt die Türkei zu den "honour cultures", also Kulturen, in denen das Selbstwertgefühl der Menschen erheblich davon abhängt, was andere von ihnen denken. Deshalb seien sie schneller beleidigt. Zu diesen Kulturen zählen vor allem Länder im Nahen Osten und am Mittelmeer.
Auf der anderen Seite sieht der Forscher "cultures of respect", also Kulturen, in denen das Selbstwertgefühl der Menschen weniger vom Urteil anderer abhängt. Zu diesen Kulturen zählt er die meisten Länder in Westeuropa und Nordamerika. Menschen von dort könnten oft nicht verstehen, warum bestimmte Beleidigungen bei anderen starke Reaktionen hervorrufen.
Der Psychologe kennt beide Kulturen, weil er aus dem Iran kommt und heute in den Niederlanden lebt. Er sagt, es hilft Menschen aus "honour cultures" daran zu denken, dass sie schon viel Respekt von Leuten bekommen, die ihnen wichtig sind. Dann fühlen sie sich weniger schnell provoziert.
