Junge Menschen gehen offenbar immer häufiger mit einer klaren Erwartung zum Psychologen – und haben sich ihre Diagnose oft schon selbst gestellt. Meistens geht es um ADHS oder Autismus.

Das zeigt eine Studie, für die knapp hundert klinische Psychologinnen und Psychologen in Österreich befragt wurden. Über 70 Prozent berichten, dass Selbst- und Wunschdiagnosen in den letzten Jahren zugenommen haben.

Besonders oft handelt es sich um junge, gut gebildete Frauen, die mutmaßlich viel auf Social Media unterwegs sind. Laut den Forschenden kann einer der Gründe sein, dass eine Diagnose Belastungen im Alltag weniger wie persönliches Versagen erscheinen lässt. Oft gehe es auch um Identitätsbildung, Anerkennung und Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Die befragten Psychologen berichten, dass Patienten für alternative Erklärungen zum Teil nicht offen sind. Wird die gewünschte Diagnose nicht bestätigt, reagieren einige enttäuscht oder verärgert.

Die Forschenden empfehlen deshalb, den Umgang mit Selbstdiagnosen stärker in der Ausbildung von Psychologen zu berücksichtigen und die Rolle von Social Media genauer in den Blick zu nehmen.