Reformation

Historiker: Luther brachte Thesen mit Wachs oder Leim an

Hat Luther seine 95 Thesen wirklich mit Hammer und Nägeln an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen?

Das bezweifelt der Historiker Daniel Jütte. Er glaubt, dass der Reformator seine Thesen mit Leim oder Siegelwachs an der Kirchentür angebracht hat. Jütte, der in Harvard lehrt, erklärt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass Quellen des 16. Jahrhunderts nicht von Hammer und Nägeln sprechen. Bei ähnlichen Fällen, also anderen öffentlichen Verkündigungen der Zeit, sei immer von Leim und Wachs die Rede.

Historisch umstritten ist auch, ob Luther seine Thesen überhaupt an die Tür der Schlosskirche geschlagen hat. Er selbst hat das auch nie erwähnt. Jütte hält es aber für durchaus plausibel, weil es eine gängige Praxis der Zeit gewesen sei. Luther sei "Teil einer Kultur, in der solche Aktionen seit Jahrhunderten zum Alltag gehörten". Geistliche und die weltliche Obrigkeit hätten Kirchentüren im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit als eine Art schwarze Bretter benutzt.

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 gilt gemeinhin als Beginn der Reformation.