In Bayern wiederholen mehr Schülerinnen und Schüler eine Klasse als anderswo, zuletzt waren es 40.000. Laut dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung kann das Wiederholen für einzelne Betroffene sinnvoll sein, zum Beispiel wenn ein Kind wegen Krankheit viel Stoff verpasst hat. Aus pädagogischer Sicht kann die Angst vorm Sitzenbleiben eine Motivation gegen Lernfaulheit sein.
Der Bayrische Lehrer- und Lehrerinnenverband schlägt stattdessen vor, die Kinder und Jugendlichen individueller und gezielter während eines Schuljahres zu fördern. Dass das geht, zeigt zum Beispiel Hamburg. Die Stadt setzt auf kostenlose und verpflichtende Lernförderung statt auf Sitzenbleiben.
Denn wenn Betroffene eine Klasse wiederholen, verpuffen ihre Verbesserungen oft nach kurzer Zeit - sagt ein Experte der Hochschule für Gesundheit und Medizin in Berlin. Ihm zufolge belegen Studien auch, dass es meist nicht von der Leistung sondern von der Lehrkraft abhängt, wer sitzenbleiben soll. Denn Jungen würden bei gleicher Leistung häufiger wiederholen als Mädchen, ebenso wie arme Schülerinnen und Schüler und solche mit Migrationshintergrund.
Der Bayrische Elternverband warnt außerdem vor negativen Folgen für die Psyche bis hin zu Depressionen. Wie die Deutsche Presse-Agentur ausgerechnet hat, ist Sitzenbleiben wirtschaftlich auch teuer: In 2023 hat es den bayerischen Staat 490 Millionen Euro zusätzlich gekostet - das Geld, das durch einen späteren Berufseinstieg entgeht, nicht eingerechnet.
