Studie

Sind Muslime fundamentalistischer als Christen?

Es ist ein viel diskutiertes Thema: Sind Muslime fundamentalistischer als Menschen mit einem anderen Glauben?

Forscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung haben dazu 6000 Muslime befragt, die in Europa leben, aber einen türkischen oder marokkanischen Migrationshintergrund haben. Gleichzeitig wurden 2500 Christen in Europa befragt. Gefragt wurde, ob die Personen finden, dass man zu den Wurzeln der Religion zurück sollte, dass es nur eine Interpretation des Korans oder der Bibel gibt und dass religiöse Regeln wichtiger sind als staatliche. Wer alle Fragen mit "Ja" beantwortete, den definierten die Forscher als fundamentalistisch.

"In Zeiten, in denen große Teile der Bevölkerung Muslime unter Generalverdacht stellen, ist es fahrlässig, eine solche Untersuchung zu veröffentlichen."

Das Ergebnis der Studie: Unter den befragten Muslimen hatten 44 Prozent diese - wie die Forscher sie nennen - fundamentalistische Haltung. Unter den Christen weniger als 4 Prozent. Die Forscher sagen also, dass Muslime eher zum Fundamentalismus neigen. An der Studie gibt es aber auch Kritik. Die Schweizer Islamwissenschaftlerin Rifa’at Lenzin sagt, man hätte als Vergleichsgruppe nicht Christen aus Europa, sondern eingewanderte Christen befragen müssen. Und die Fragen seien problematisch formuliert gewesen.

Hätte man gefragt, ob die Menschen die Scharia, also islamisches Recht einführen wollen, hätten wahrscheinlich weniger Menschen zugestimmt. Bei Einem sind sich die Forscher der Studie und die Islamwissenschaftlerin aber einig: Wenn Muslime gut in die Gesellschaft integriert sind, also einen Job haben und ihre Religion anerkannt wird, dann sind sie weniger fundamentalistisch.