Der Ort Rungholt im Wattenmeer ist quasi ein deutsches Atlantis - eine sagenumwobene, prunkvolle Stadt, die irgendwann im Meer unterging.

In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise, dass es Rungholt tatsächlich gegeben hat - bis zu einer Sturmflut vor etwa 700 Jahren. Ein Forschungsteam hat jetzt einen weiteren Ortsteil nachgewiesen. Im Watt vor der Halbinsel Nordstrand haben die Fachleute Spuren von 19 aufgeschütteten Wohnhügeln entdeckt, auf denen wohl Häuser gestanden haben - unter anderem geformte Ziegel und Keramik-Scherben, aber auch ausländische Gegenstände, die auf internationalen Handel hinweisen und Wagen und Gewichte.

2017 hatten Forschende in der Nähe der Wohnhügel schon einen Deich und einen Hafen entdeckt, und letztes Jahr den Grundriss einer Kirche. Die Forschenden sagen, die jetzt entdeckten Wohnhügel lagen zwischen dem Hafen und der Kirche. Die aktuellen Funde zeigen, dass das heutige Watt im Mittelalter auf großer Fläche ziemlich dicht besiedelt war. Damals gab es zwischen der Insel Pellworm und der Küste noch mehr Land, das bei der Sturmflut im Jahr 1362 überspült wurde. So prunkvoll wie in der Legende war Rungholt wohl nicht, aber wahrscheinlich ein recht bedeutsamer Handelshafen.