Der Weltklimarat der Uno hat einen neuen Sonderbericht zur Erderwärmung vorgelegt. Das Ergebnis: Wir können es noch schaffen, dass die globale Temperatur gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung im Schnitt nur um 1,5 Grad steigt, aber nur, wenn wir sofort richtig viel ändern.

Die Erderwärmung beschleunigt sich selbst

Die nächsten zehn Jahre seien entscheidend, sagen die Forscher. 1 bis 1,2 Grad der Erwärmung seien schon erreicht und zur Zeit steige die globale Durchschnitt-Temperatur alle zehn Jahre um 0,2 Grad. Hinzu kommt, dass sich die Erderwärmung selbst beschleunigt, zum einen, weil sich CO2 in der Atmosphäre jahrhundertelang hält, und zum anderen, weil die Erwärmung dafür sorgt, dass noch mehr CO2 freigesetzt wird - da zum Beispiel die Permafrostböden in der Arktis auftauen und sehr viel Kohlendioxid und das noch stärkere Treibhausgas Methan freisetzen.

Um das zu ändern haben die Forscher eine lange Forderungsliste aufgestellt: Bis 2050 müssen 70 bis 85 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden und die Industrie muss ihren CO2-Ausstoß um 75 bis 90 Prozent senken. In der Landwirtschaft muss die Tierhaltung reduziert werden, es dürfen keine Wälder mehr für Soja oder Palmöl gerodet werden. Wir müssen effizientere Häuser bauen, weniger fliegen und Autos ohne Verbrennungsmotoren bauen. 

"Wir dürfen Emissionen nicht mehr als Schicksal betrachten"
Hans-Otto Pörtner, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Ab 2050 darf der CO2-Gehalt der Atmosphäre gar nicht mehr steigen: Es muss also mindestens so viel Kohlendioxid entnommen werden, wie wir reinpusten. Und bis zum Ende des Jahrhunderts müssen außerdem 100 bis 1000 Milliarden Tonnen Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre entfernt werden, zum Beispiel durch die Aufforstung von Wäldern. 

"Wir dürfen Emissionen nicht mehr als Schicksal betrachten, sondern als etwas, das man steuern kann", sagt Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, der entscheidend an diesem neuen Bericht mitgearbeitet hat. 

Matthias Wurms, Nachrichtenredaktion
"Ich bin heute morgen auch mit dem Auto statt mit dem Fahrrad gekommen, weil ich so spät dran war. Macht man halt mal so. Geht aber nicht mehr."

Der Bericht hat sich auf Drängen der Entwicklungsländer auch mit den unterschiedlichen Folgen einer Erderwärmung um 1,5 und um 2 Grad beschäftigt. Demnach würden deutlich weniger Arten aussterben, der Meeresspiegel würde um zehn Zentimeter weniger ansteigen, dadurch wären zehn Millionen Menschen weniger von Überschwemmungen bedroht. 

Rund zwei Millionen Quadratkilometer Permafrostboden vor allem in Sibirien würden nicht auftauen und würden kein Methan freisetzen. Es gäbe deutlich weniger Wetterextreme wie starke Wirbelstürme - und es würden wenigstens noch ein paar Korallenriffe überleben. Bei einem Plus von zwei Grad würden nach Ansicht der Forscher mehr als 99 Prozent absterben.

Wir steuern auf bis zu 4 Grad Erderwärmung zu

Mit den aktuellen Zusagen der Staaten nach dem Klimavertrag von Paris ist aber nach Ansicht der Forscher nicht mal eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad zu schaffen. Stattdessen steuere man auf eine Erwärmung von 2,6 bis 4 Grad zu. Bei der nächsten Weltklimakonferenz im Dezember in Kattowitz in Polen müssten deshalb weitere Maßnahmen beschlossen werden.