Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hat vor dem Obersten Verfassungsgericht in Kairo seinen Präsidenteneid abgelegt - unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Seit dem Morgen waren die Straßen rund um das Gericht gesperrt, Polizisten patrouillierten durch die Stadt.

Der Tag heute wurde zum Feiertag erklärt - normalerweise ist der Sonntag in Ägypten ein Arbeitstag. Zu den Feierlichkeiten im Laufe des Tages sind viele ausländische Regierungschefs eingeladen. Der Westen schickte aber nur Vertreter mit niedrigem Rang.

Zehntausende wurden verhaftet

Al-Sisi ist seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi vor elf Monaten der starke Mann in Ägypten. Sisi ist veranwortlich dafür, dass seitdem nach Angaben der unabhängigen Seite Wiki Thawra mehr als 40.000 Menschen verhaftet wurden. "Entweder, weil sie der Muslimbruderschaft angehören oder weil sie einfach nur ihre Meinung gesagt haben", erklärt Matthias Wurms aus der Nachrichtenredaktion von DRadio Wissen. Amnesty International geht sogar davon aus, dass noch viel mehr Menschen verhaftet wurden. In Dutzenden Fällen soll es auch zu Folterungen gekommen sein.

Unterdrückung der Opposition

Al-Sisi war im Mai mit 97 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden - viele Ägypter erhoffen sich von ihm Stabilität, damit auch wieder mehr Touristen kommen. In seiner Wahlkampagne hat er den Kampf gegen den Terror und gegen die Muslimbrüder betont. Kritiker befürchten, dass al-Sisi die Opposition weiter unterdrücken wird.

"Sisi hat angekündigt, dass er die sozialen Netzwerke streng kontrollieren will, also da richtet er sich ganz klar gegen die Demokratiebewegung, die vor drei Jahren zum Sturz von Hosni Mubarak geführt hat, und die es in Ägyten ja durchaus noch gibt."
Matthias Wurms, Nachrichtenredaktion DRadio Wissen

Sisi wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien unterstützt. Die dortigen Regierungen wollen verhindern, dass es in Ägypten wieder zu Protestbewegungen kommen könnte, die auch auf ihre Länder übergreifen könnten. Die finanzielle Unterstützung aus der muslimischen Welt ist für Sisi aber auch wichtig, um die ägyptische Wirtschaft zu stärken: "In Ägypten ist jeder Vierte arbeitslos, es kommen keine Touristen mehr, die Verwaltung ist korrupt, der Staat hat keine Devisenreserven mehr", sagt Matthias Wurms. Daher will Sisi 140 Milliarden Dollar in ein Entwicklungsprogramm investieren.

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