SABR steht für "Sneak Attack by Roger". Der als Return geschlagene Halb-Volley, mit dem Roger Federer den zweiten Aufschlag seines Gegners attackiert, war im Vorfeld des US-Open-Finales Federer vs. Djokovic von dessen Trainer Boris Becker scharf kritisiert worden. Die Verbalattacke könnte den Ausgang des Finales negativ beeinflusst haben, meint der ehemalige Tennisprofi Alexander Waske: Der "Djoker" gewann 6:4, 5:7, 6:4, 6:4.

"Es gibt im Fußball ungeschriebene Regeln, und es gibt im Tennis ungeschriebene Regeln".
Boris Becker

Boris Becker hatte Federer indirekt Respektlosigkeit vorgeworfen. Es habe den Anschein, als nehme der Grand-Slam-Rekordsieger den Aufschlag seiner Gegner nicht ernst. "Hätte er diesen Schlag gegen John McEnroe, Ivan Lendl, Jimmy Connors oder gar mich ausgepackt, hätten wir gesagt: Roger, ganz ehrlich, ich mag dich sehr, aber noch einmal, und ich ziele voll auf dich." Federer selbst hatte bereits widersprochen:

"Nein, dieser Schlag ist nicht respektlos. Ich werde ihn weiter einsetzen."
Roger Federer

Als Federer vor ein paar Wochen mit dem SABR um die Ecke kam, gab es erst mal keine Kritik - stattdessen überall Bewunderung. Von einer Revolution im Tennis-Sport war die Rede. Alexander Waske stimmt dem zu.

"Der SABR ist eine Revolution. Für den Schlag braucht man so viel Talent, den können nur zwei oder drei weltweit."
Alexander Waske, ehemaliger Tennisprofi und heutiger Tennistrainer

Die vier Buchstaben SABR werden gesprochen wie der englische Säbel. "Rogers Überraschungsangriff" hat der Erfinder seine Innovation getauft. Novak Djokovic konnte Federer damit beim Finale der US Open allerdings nicht mehr überraschen: Die Nummer 1 der Welt behielt beim ersehnten Aufeinandertreffen der Tennis-Giganten mit 6:4, 5:7, 6:4, 6:4 deutlich die Oberhand. Der Weltranglistenzweite ließ deutlich mehr Break-Chancen liegen als der eiskalte "Djoker".

Vorbild Federer

"Ich kenne keinen Profi, der so respektvoll mit jedem Gegner umgeht wie Roger."
Alexander Waske

Dass Federer den SABR von oben herab meine, sei völlig abwegig, meint Alexander Waske. Er sehe keinerlei Regung bei ihm, die darauf hindeute.

"Boris meint wohl, dass man sich beim SABR seiner Manneskraft enthoben fühlt. Da würde ich mich auch doof fühlen."
Alexander Waske

Entscheidung beschleunigen

Der SABR ist eine Möglichkeit, nach dem zweiten Aufschlag des Gegners einen schnellen Punktgewinn herbeizuführen. Viele Topspieler wollten aber gar nicht mehr so viel ans Netz stürmen, sagt Waske. Nadal und Djokovic zum Beispiel spielten eher von der Grundlinie. Federer, vielleicht seinem Alter geschuldet, gehe aber nicht mehr ganz so lange Wege. Er wolle vor allem effektiv spielen.

"Taktische Kriegsführung"

Das Finale der US Open hat der SABR wenig beeinflusst - zumindest nicht der Schlag an sich. Die Diskussion im Vorfeld aber wohl schon, meint Waske - vor allem die persönliche Attacke von Boris Becker.

"Ich glaube, dass das genau so gemeint war. Wenn jemand behauptet, dass er respektlos oder überheblich ist, dann geht das an Roger nicht spurlos vorüber. Das war eine Form der taktischen Kriegsführung - schade, dass sie scheinbar funktioniert hat."
Alexander Waske