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Geschwister – sind sich so nah und können doch zu den schlimmsten Feinden werden. Wir können mit Brüdern und Schwestern Pferde stehlen oder uns ums Erbe streiten. Beides ist nervenaufreibend. Und: Kein Schweigen ist schlimmer als das unter Geschwistern. So ein Schweigen beschreibt Alix Ohlin in ihrem Roman "Robin und Lark".

"Such nicht nach mir." Mehr steht nicht auf der Postkarte. Es ist eine typische Robin-Karte. Ihre Wahl der Motive ist speziell. Die sind immer geschmacklos oder kitschig. Diesmal ist ein blondes Mädchen darauf, mit Blumen im Haar. Immerhin keine niedlichen Tiere. Manchmal musste Lark lachen, wenn eine von Robins Postkarten sie erreichte. Nicht bei dieser.

Sie versteht sie nicht. Die Karte kommt aus Ytterby, jedenfalls steht das drauf. Ytterby liegt in Schweden. Und das ist erstmal nicht verwunderlich, denn Robin war ein paar Wochen auf Europa-Tournee und sollte inzwischen auf dem Heimweg sein, zurück nach New York. In den "Tunnel", in ihre gemeinsame Wohnung, in der jedes Zimmer ein Durchgangszimmer ohne Fenster ist. Bis auf Robins Zimmer am Ende des Schlauchs, groß genug für eine Matratze.

"Lark brennt darauf, die Bilder von Robin in ihrem Kopf mit der Wirklichkeit abzugleichen. Sie brennt darauf, ihre Schwester vor dem Einschlafen flüsternd auszufragen, so, wie sie es immer schon gemacht haben."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Literatur-Expertin über "Robin und Lark"

"Robin und Lark" von Alix Ohlin ist die Geschichte von zwei Schwestern, die mit einer Ambivalenz in ihrer Beziehung zueinander kämpfen, die viele Geschwisterkinder kennen: Da ist einerseits eine ewige Verbundenheit und andererseits der Wunsch, sich endlich voneinander lösen zu können.

Als kleine Mädchen streunen sie durch die Nachbarschaft und lernen eine alte Frau kennen, die sie freundlich zu sich hereinbittet. Sie spricht mit ihnen, als seien sie Erwachsene und keine Kinder. Dann entdeckt Robin das Klavier. Robin hat noch nie eins gesehen, zumindest kein echtes. Sie setzt sich an die Tasten und spielt drauflos. Irgendwas. Komplett versunken und voller Gefühl. Es klingt wunderschön – und es ist der Anfang vom Ende.

Zwei ungleiche Schwestern, die ihren Weg finden müssen

In diesem Moment begreift Lark, dass da etwas passiert. Dass sich etwas zwischen sie und ihre kleine Schwester schieben wird. Etwas, das man nicht rückgängig machen kann. Sie sind nicht "Robin und Lark". Sie sind die sichtbare Robin und die unsichtbare Lark. Sie sind nicht gleich. Egal, wie sehr sich Lark das wünscht, und egal, wie sehr sie darauf hofft, dass es für immer so bleibt. Der Tag wird kommen, an dem sie Robin loslassen muss.

Es ist der Tag, an dem sie die Karte aus Schweden erhält. "Such nicht nach mir."

Das Buch

Alix Ohlin: "Robin und Lark" (OT: "Dual Citizens", 2019), aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Judith Schwaab, C. H. Beck, 333 Seiten. Gebundene Ausgabe (Hardcover): 23 EUR, E-Book: 16,99 EUR; ET: 27.01.202