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Benutzt ein Unternehmen den Song einer Künstlerin oder eines Künstlers, muss es dafür zahlen - aber nur, wenn es mehr als 15 Sekunden des Songs verwendet. So will es jedenfalls der Bund beschließen. Musikerinnen und Musiker wehren sich dagegen. Eine von ihnen ist Jazz-Sängerin Pat Appleton. Sie findet: Arbeit muss entlohnt werden.

Trotz Urheberrechten keine Kohle: Das könnte für viele deutsche Künstlerinnen und Künstler bald schon Realität werden. Denn der Bund muss bis Juni eine EU-Richtlinie der Reformpläne des Urheberrechts in nationales Recht umsetzen. Dabei will der Deutsche Bundestag einen Sonderweg einschlagen: Bis zu 15 Sekunden eines Songs gelten als "Bagatellegrenze" - und sollen im Netz frei erhältlich sein.

1.140 Künstlerinnen und Künstler fordern Gegenentwurf

In einem offenen Brief fordern 1.140 Künstlerinnen und Künstler, dass der Entwurf des Bundestags noch einmal überarbeitet wird. Unter anderem mit dabei: Jeremias, Die Ärzte, die Höchste Eisenbahn und Helene Fischer. Auch Jazz-Sängerin Pat Appleton gehört zu ihnen. Sie sagt: 15 Sekunden können viel ausmachen.

"15 Sekunden können alles bedeuten - wenn sie tausendfach, millionenfach gehört und geteilt werden, müssen wir daran partizipieren können."
Pat Appleton, Musikerin

Denn werden sie zum Beispiel für ein Werbevideo oder ein kurzes Video auf Sozialen Netzwerken benutzt und wird dieses Video geteilt und gehört, so hat ihrer Meinung nach der Song seinen Teil dazu beigetragen - und die Künstlerin oder der Künstler sollten dementsprechend entlohnt werden.

Deutschland wählt Sonderweg

Die Jazz-Musikerin hat für den Sonderweg des Deutschen Bundestags kein Verständnis. Alle anderen EU-Länder - abgesehen von Polen- hätten sich für eine gerechte Entlohnung der Kunstschaffenden entschieden. Deutschland würde nicht berücksichtigen, dass sehr kurze Videos inzwischen ein Trend und keine Bagatelle mehr seien.

"Für viele Big-Tech Unternehmen ist es inzwischen zum Geschäftsmodell geworden, die Inhalte von anderen zu nutzen und zu monetarisieren. Dem muss Einhalt geboten werden."
Pat Appleton, Musikerin

Vor allem die aktuelle Lage bringe viele Künstlerinnen und Künstler in eine besonders prekäre finanzielle Lage: Konzerte und somit eine der Hauptgeldeinahmequellen fallen komplett aus. Die Einkommen vieler Menschen seien weggebrochen.

Respekt für künstlerische Leistung

Der finanzielle Aspekt tue den Kunstschaffenden in der Pandemie zwar besonders weh, doch für Pat Appleton spielt auch Respekt eine Rolle. Es sei respektlos, wenn Unternehmen sich einer künstlerischen Leistung ohne Gegenleistung einfach bedienen - und die Politik dieses Verhalten unterstütze.

"Aus Angst vor Unzufriedenheit der großen Unternehmen lässt die Politik uns einfach hängen."
Pat Appleton, Musikerin

Die Jazz-Musikerin ist von der deutschen Politik in der Hinsicht enttäuscht. Sie würde sich wünschen, dass Deutschland mit den anderen EU-Ländern mitzieht und die EU-Richtlinie so umsetzt, wie sie vorgesehen ist - ohne Sonderweg.