Deutschland ist Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg säumig, deshalb besetzt Frankreich im Januar 1923 das Ruhrgebiet. Die Folge ist eine Krise in Deutschland, die sich nicht nur wirtschaftlich auswirkt.

Im letzten Quartal 1922 hat Deutschland laut Bericht der Reparationskommission, die auf die Einhaltung der Bestimmungen des Versailler Vertrags achtet, zu wenig Reparationen an Frankreich geleistet. Die Regierung in Paris entscheidet Anfang Januar 1923, das Ruhrgebiet zu besetzen.

Französische und belgische Soldaten marschieren ins Ruhrgebiet und besetzen das Kerngebiet der deutschen Kohle- und Stahlindustrie. Frankreich nimmt den Abtransport von Kohle, Stahl und Holz selbst in die Hand. Damit beschwört das Nachbarland die größte Krise Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg herauf.

Generalstreik in Deutschland

Denn als Antwort auf die einmarschierenden Truppen reagiert die Bevölkerung in Deutschland mit Generalstreik und passivem Widerstand. Die Regierung in Berlin leistet keine Geldzahlungen mehr, Verwaltung und Verkehr sind lahmgelegt, Beamte verweigern den Dienst und nehmen wichtige Unterlagen mit nach Hause.

Daraufhin müssen die Besatzungstruppen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und anderer lebenswichtiger Funktionen sorgen. Die Regierung des parteilosen Reichskanzlers Wilhelm Cuno sagt nicht nur die finanzielle Unterstützung der Arbeiter zu, sondern übernimmt auch die Verdienstausfälle der vom Generalstreik betroffenen Betriebe.

"Wirtschaftliche Probleme, die mit dem Weltkrieg einher gingen, haben letztlich ein von Mangel geprägtes Land zurückgelassen, das großen Hunger - im wörtlichen Sinne - nach recht teuren Importen hatte."
Sebastian Teupe, Wirtschaftshistoriker an der Uni Bayreuth

So kommt die zweite Katastrophe ins Rollen, denn schon seit Mitte 1922 ist die Inflation gestiegen. Tag und Nacht laufen Druckerpressen, um das Geld für die lahmgelegte Wirtschaft und die leidende Bevölkerung bereitzustellen. Auf dem Höhepunkt der Inflation arbeiten mehr als 120 Druckereien rund um die Uhr, um immer mehr Geldscheine mit immer höheren Zahlen herzustellen. Schließlich kostet im November 1923 ein US-Dollar rund 4,2 Billionen Reichsmark.

Deutsche Angst vor Inflation

Als der Ruhrkampf gegen Ende 1923 beendet wird, liegt die Wirtschaft am Boden und die Staatskassen sind leer. Die neue Regierung unter Gustav Stresemann führt eine Währungsreform durch. Damit ist das "deutsche Trauma" einer hohen Inflation, die Erspartes wegfrisst und das Leben unerschwinglich macht, beendet. Aber die panische Angst vor Inflation besteht in Deutschland bis heute.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Verleger und Buchautor Werner Boschmann hat die Erinnerungen an den Ruhrkampf 1923 zusammengetragen und berichtet von den Erfahrungen der Zeitzeugen.
  • Der Bayreuther Wirtschaftshistoriker Sebastian Teupe beschreibt Ausmaß und Wirkung der Hyperinflation von 1923.
  • Die Historikerin Ursula Büttner erläutert die schwierigen Anfangsjahre der Weimarer Republik in der ersten Hälfte der 1920er Jahre.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt auf die Geschichte der Weimarer Republik zurück.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Esther Körfgen beschreibt die Besetzung der Ruhr im Januar 1923.
In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Esther Körfgen beschreibt die Besetzung des Ruhrgebiets 1923
  • Werner Boschmann über Erinnerungen an den Ruhrkampf 1923
  • Sebastian Teupe beschreibt Ausmaß und Wirkung der Hyperinflation von 1923
  • Ursula Büttner über die schwierigen Anfangsjahre der Weimarer Republik
  • Eine Stunde History
  • Moderatorin:  Meike Rosenplänter
  • Gesprächspartner:  Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte