Wer hat's erfunden? Die Sumerer! Jedenfalls gelten sie als die ersten, die eine Schrift entwickelt haben. Ihre Keilschrift soll das älteste Schriftsystem der Welt sein. Auch Bürokratie und Sesshaftigkeit sollen wir ihnen zu verdanken haben.
Die Sumerer waren eine frühe Hochkultur, die 4.000 bis 2.000 vor Christus im südlichen Mesopotamien lebten. Ihr Reich lag oberhalb der Ufer des heutigen Persischen Golfs, im heutigen Irak. Noch vor den Ägyptern sollen sie ihre Keilschrift entwickelt haben, was auf eine komplexe und ausdifferenzierte Gesellschaft hindeutet.
Ursprung der Sumerer ungeklärt
Die Herkunft der Sumerer ist nicht zweifelsfrei geklärt. Manche vermuten ihren Ursprung im Ural, weil ihre Sprache Ähnlichkeit mit Ungarisch und Türkisch aufweist. Andere glauben, dass es sich bei ihnen um eine lokale Kultur gehandelt hat, die nicht eingewandert war, sondern sich vor Ort entwickelt hat.
Die Sumerer sollen nicht nur die ersten gewesen sein, die eine Schrift entwickelten. Ihr Siedlungsgebiet gilt auch als eine Ursprungsstätte für Landwirtschaft. Es liegt im sogenannten Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und damit im sogenannten "fruchtbaren Halbmond", der sich mondsichelförmig von der Levante über Mesopotamien bis zum Persischen Golf erstreckt.
Wiege der Landwirtschaft
Dort herrschten besonders gute Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht. Die Bewirtschaftung des Landes bedeutete auch, dass die Menschen bei ihren landwirtschaftlichen Nutzflächen leben mussten. Aus Umherziehenden wurden so dort wohl sesshafte Bauern und Viehzüchter.
Aus den anfangs kleinen Behausungen wurden dann nach und nach größere und befestigte Häuser. Mauern um die Siedlungen garantierten Schutz vor äußeren Gefahren und gaben im Inneren ein Gefühl der Sicherheit. Mittelpunkt der so entstehenden ersten Städte waren Tempel, die nicht nur Göttern und Göttinnen der sumerischen Mythologie geweiht waren, sondern auch als Verwaltungs- und Handelszentrum der jeweiligen Stadt genutzt wurden.
Die Bauern und Bäuerinnen produzierten dabei nicht nur für sich, sondern auch für die Allgemeinheit. Die Waren, die eingelagert waren, wurden notiert. Und so entstanden wohl Schrift und auch Bürokratie.
Ihr hört in dieser Folge von Eine Stunde History:
- Die Göttinger Altorientalistin Annette Zgoll beschreibt das Besondere an der Kultur der Sumerer.
- Der Althistoriker Ingo Schrakamp erläutert den Beginn und den Sinn der ersten Schrift der Menschheit.
- Margarete van Ess von der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin beschäftigt sich mit dem Beginn des Städtebaus und des Gemeinwesens bei den Sumerern.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erklärt, wo und wann die Sumerer gelebt haben.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Esther Körfgen lässt mit dem Lied der Hohepriesterin und Tochter des sumerischen Königs Sargon Enheduanna "Nin me šara" den ersten literarischen Text der Menschheitsgeschichte wieder aufleben.
- Beitrag von Esther Körfgen
- Interview mit Annette Zgoll
- Interview mit Ingo Schrakamp
- Interview mit Margarete van Ess
