Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit sind die 43 in Mexiko vermissten Studenten getötet worden, doch Gewissheit haben die Angehörigen bis heute nicht. Sie wurden von den Behörden sogar vorsätzlich belogen.

Vor vier Jahren, am 26. September 2014, wurden 43 Studenten einer Hochschule zur Ausbildung von Grundschullehrern im mexikanischen Iguala entführt. Sie waren in einem Bus unterwegs zu einer Demonstration und wurden von der Polizei gestoppt.

Über das, was dann passierte, gibt es zwar Vermutungen, die als sehr wahrscheinlich gelten, Gewissheit fehlt aber bis heute. Die Angehörigen der Vermissten wissen noch nicht einmal ganz sicher, dass ihre Kinder und Geschwister nicht mehr leben, obwohl es daran fast keine Zweifel mehr gibt. "Wenn jemand noch am Leben wäre, hätte es in vier Jahren ziemlich sicher ein kleines Lebenszeichen gegeben", sagt die ARD-Mexiko-Korrespondentin Anne-Katrin Mellmann.

Vermisste Studenten in Mexiko angeblich auf Müllkippe verbrannt

Neben dem Verlust ihrer Kinder und der Rest-Unsicherheit darüber, was wirklich passiert ist, schmerzt die Eltern auch die Ermittlungsarbeit der vergangenen Jahre:

Ihnen wurden Lügen und falsche Ermittlungsergebnisse präsentiert. Die Behörden versuchten, den Fall zu vertuschen und zu verheimlichen, berichtet unsere Korrespondentin. Den Angehörigen wurden sogar Verdächtige vorgeführt, von denen die Behörden wussten, dass sie in Wirklichkeit nicht verdächtig sind.

"Und dann gab es noch einen besonders gravierenden Verstoß gegen alle gute Sitten", sagt Anne-Katrin Mellmann: Die Behörden informierten die Angehörigen darüber, dass die Studenten auf einer Müllkippe verbrannt worden sind. Unabhängige Experten haben dann aber schnell festgestellt, dass es an diesem Ort niemals eine Leichenverbrennung gegeben haben kann.

"Es sieht zurzeit sehr danach aus, als hätte Heckler & Koch gegen das Waffenkontrollgesetz verstoßen."
Anne-Katrin Mellmann, ARD-Mexiko-Korrespondentin, über die Rolle des Rüstungskonzerns bei dem Fall der verschwundenen Studenten

Die Familien der Opfer fordern vom neuen mexikanischen Präsidenten, der am 1. Dezember sein Amt antreten wird, weitere Ermittlungen. Dieser hatte schon im Wahlkampf angekündigt, den Fall neu untersuchen zu wollen. Er will eine Kommission einsetzen, die direkt nach seinem Antritt als Präsident die Arbeit aufnehmen soll. "Die Opfer der Angehörigen sind damit zufrieden", sagt die ARD-Mexiko-Korrespondentin Anne-Katrin Mellmann.

Der Fall reicht übrigens bis nach Deutschland. Vor dem Landgericht Stuttgart wird verhandelt, ob der Rüstungskonzern Heckler & Koch Waffen geliefert hat, die bei der Entführung zum Einsatz kamen. "Es sieht zurzeit sehr danach aus, als hätte Heckler & Koch gegen das Waffenkontrollgesetz verstoßen und Waffen in den Bundesstaat Guerrero exportiert", sagt Anne-Katrin Mellmann.