Künstliche Intelligenz ist längst auch im Personalwesen angekommen: Sie präsentiert uns individuelle Jobanzeigen, wählt zwischen Bewerberinnen und Bewerbern aus und analysiert unsere Performance zum Beispiel. Wir sollten uns dringend die Frage stellen, welche KI-Tools im Arbeitsleben sinnvoll, ethisch und legal sind und darüber nachdenken, welche Folgen es haben kann, diese einzusetzen, sagt der Personalpsychologe Martin Kersting.

In vielen Bereichen ist KI im Job schon im Einsatz, erklärt Martin Kersting in seinem Vortrag, und beschreibt einige Beispiel dafür: In Deutschland ist zwar dank DSGVO weniger erlaubt als zum Beispiel in den USA, aber auch bei uns helfen schon Algorithmen Personalerinnen und Personalern beim Anzeigen schalten, Bewerber*innen auswählen und bei anderen Aufgaben.

"Wir dürfen die Zukunft weder den Nerds noch den profitorientierten Konzernen überlassen."
Martin Kersting, Psychologe

Das kann sinnvoll sein und Vorteile haben, sagt der Personalpsychologe, mahnt aber, dass wir uns auch Gedanken über mögliche negative Konsequenzen mache sollten. So hat sich in der Vergangenheit zum Beispiel schon gezeigt, dass Künstliche Intelligenz eben auch Fehler machen kann.

Reproduktion von Sexismus und Rassismus

Ein Beispiel: Füttert man eine KI mit Daten, um sie zu trainieren, kann sie falsche Schlüsse daraus ziehen. Sie "lernt" dann etwa, dass Männer eher für Führungsjobs infrage kommen, weil sie in den Datensätzen häufiger als Chefs auftauchen. Der Maschine fehlt der Kontext, sie zieht zwar logische Schlüsse – allerdings zuweilen auch falsche Schlüsse. Mehrere solcher Beispiele sind bekannt.

"Wenn wir Computer mit Daten füttern, die unsere stereotype Sichtweise sozialer Gruppen widerspiegelt, führt dies – wenn wir keine Korrekturfaktoren einbauen – zu einer Fortsetzung der Diskriminierung."
Marin Kersting, Psychologe

In seinem Vortrag beschreibt Martin Kersting, welche Tools im Personalwesen schon im Einsatz und noch zu erwarten sind, wägt Vor- und Nachteile dieser Programme ab und stellt Fragen zu ihren ethischen und datenschützerischen Implikationen. Er mahnt: Wir sollen uns einmischen! Damit nicht andere für uns entscheiden, wie die Digitalisierung unserer Arbeitswelt aussieht.

Richtig bewerben, wenn die KI auswählt

Wenn ihr übrigens wisst, dass eure Bewerbung von einer KI bearbeitet wird, dann solltet ihr euch an bestimmte Regeln halten, die anders als bei der klassischen Bewerbung sind. Tipps dafür gibt es zum Beispiel hier.

Der Vortrag

Martin Kersting ist Psychologe mit Schwerpunkt Personalpsychologie und lehrt Psychologische Diagnostik an der Uni Gießen. Unter anderem ist er Mitglied des Ethikbeirats HR-Tech, das ist eine fachübergreifende Gruppe von Expertinnen und Experten, die sich zum Beispiel anschauen, wie technische Innovationen in der Personalarbeit verantwortungsvoll eingesetzt werden können.

Seinen Vortrag "Die Maschine denkt, der Mensch lenkt. Personalarbeit mithilfe des Computers, Big Data und künstlicher Intelligenz" hat er am 31. März 2022 exklusiv für den Hörsaal gehalten.