Seit 2008 sind keine neuen Häftlinge mehr nach Guantanamo gekommen. Jetzt starten dort Voranhörungen zu Prozessen, die 2021 beginnen sollen. Angeklagt werden soll unter anderem der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001.

Längere Zeit war es jetzt ruhig um Guantanamo. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama wollte das Gefangenenlager zu seiner Amtszeit schließen. Das war ihm aber wegen der Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus nicht gelungen.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hält weiterhin an dem Lager fest – auch wenn er Guantanamo inzwischen nicht mehr für viele Millionen Dollar erweitern will, wie noch im Januar 2019 angekündigt.

Während zu Hochzeiten noch 780 Menschen in Guantanamo einsaßen, sind es heute gerade noch 40. Viele davon nachweislich unschuldig, sagt Deutschlandfunk-Korrespondentin Sarah Zerback.

Prozessbeginn Anfang 2021

Guantanamo ist jetzt wieder in den Schlagzeilen, weil hier bald Prozesse starten. An den Voranhörungen nimmt auch einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 teil – Chalid Scheich Mohammed – und noch vier weitere Verdächtige, die an den Terroranschlägen mit knapp 3000 Toten beteiligt gewesen sein sollen.

Chalid Scheich Mohammed droht eine lebenslängliche Haftstrafe, berichtet Sarah Zerback. Und seit etwa zwei Wochen sei auch bekannt, dass die Prozesse am 11. Januar 2021 starten sollen, also ein paar Monate, bevor sich die Terroranschläge zum 20. Mal jähren.

45 Wächter pro Häftling

Die Stimmung in Guantanamo sei düster, so Sarah Zerback. Früher hatte es Skandale um Folter der Gefangenen gegeben: Beim Waterboarding etwa simulierte das Verhörpersonal den Tod des Häftlings durch Ertränken. Häftlinge durften lange Zeit ihre Zellen nicht verlassen und sahen kein Tageslicht.

Inzwischen dürfen sich die Insassen 22 Sunden am Tag frei bewegen und auch Fasten oder Beten, sagt unsere Korrespondentin. Aber sie seien gut bewacht: Auf die noch verbliebenen 40 Häftlinge kämen 1800 Soldatinnen und Soldaten.

"Die Bedingungen haben sich inzwischen verbessert, auch wenn niemand nach den Genfer Konventionen behandelt wird."
Sarah Zerback, Dlf-Korrespondentin in den USA

Das Hochsicherheitslager Guantanamo war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf der US-Militärbasis auf Kuba aus dem Boden gestampft worden. Etliche mutmaßliche Terroristen wurden dort jahrelang ohne rechtliche Grundlage, ohne Rechtsbeistand und ohne Prozess festgehalten.